Schweizer Ingenieurskunst in der Wüste: Forderndes Bauen in der Golfregion
Drei Projekte zeigen, wie ALLPLAN und FRILO unter anderem ein reibungsloses Zusammenspiel zwischen Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung ermöglichen.
In aller Kürze: > Drei Projekte zeigen, wie integrierte Arbeitsabläufe zwischen ALLPLAN und FRILO die Koordination zwischen Architektur und Tragwerksplanung verbessern. > Die Tragwerksmodelle wurden in FRILO analysiert und bemaßt und anschließend zur 3D-Modellierung, Bewehrungsplanung und Ausführungsdokumentation in ALLPLAN übertragen. > Der modellbasierte Datenaustausch über SAF und IFC ermöglichte eine konsistente Lastübertragung, automatisierte Berechnungsmodelle und die direkte Integration von statischen Ergebnissen in BIM-Workflows. > Die Projekte reichten von einem großen Unternehmenshauptsitz über ein vollständig BIM-basiertes Geschäftsgebäude bis hin zu nachhaltigem Wohnungsbau. > Die Beispiele zeigen, wie die nahtlose Interaktion zwischen Analyse- und Modellierungswerkzeugen eine effiziente Planung, Genehmigungsabwicklung und Bauplanung unterstützt. |
Architektur und Tragwerksplanung sind die beiden essentiellen Säulen, auf denen jedes (Hochbau-) Element unserer gebauten Umwelt basiert. Je enger beide Fachdisziplinen zusammenarbeiten, desto besser fürs Projekt. Eine effiziente integrale Planung erfordert jedoch ein reibungsloses Zusammenspiel der jeweiligen Planungsprogramme. ALLPLAN und FRILO bilden hier ein ideales Paar, das problemlose Workflows zwischen Architekt:innen und Tragwerksplaner:innen gewährleistet und dank starker Features jede Menge Zeit und Arbeit spart. Drei sehr unterschiedliche Projekte zeigen einige der Vorteile auf, die sich aus der Kombination von ALLPLAN und FRILO ergeben.
Konzernzentrale Heidelberg Materials: Beton in all seinen Facetten
Heidelberg Materials – ehemals HeidelbergCement – gehört zu den größten Baustoffherstellern weltweit. Mit seiner neuen Konzernzentrale in Heidelberg wurden 2020 nicht nur die verschiedenen Abteilungen, die zuvor über das Stadtgebiet verteilt waren, zusammengeführt. Der Konzern hat sich damit zugleich auch eine Art riesigen Showroom geschaffen, der die breite Palette seiner Produkte abbildet – indem er schlichtweg aus diesen besteht. Der Komplex setzt sich aus drei (oberirdisch) fünf- bis siebengeschossigen, quaderförmigen Volumen zusammen, die sich entlang einer verbindenden Magistrale formieren und ineinandergreifen. Insgesamt stehen den bis zu 1.000 Mitarbeitenden rund 52.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zur Verfügung. Neben modernen Büroräumen, weitläufigen Aufenthaltsbereichen, einer Kantine und Konferenzräumen umfasst das mit DGNB-Platin zertifizierte Ensemble unter anderem auch üppig begrünte Außenbereiche.
Die baustatische Betreuung des Projekts verantwortete das Büro Wulle Lichti Walz. Zunächst erstellten die beratenden Ingenieure das Modell im GEO von FRILO unter Zuhilfenahme von DXF-Folien, um anschließend im Programm den Lastabtrag des kompletten Gebäudes zu ermitteln. Partner Oliver Lichti zufolge war das GEO eine große Hilfe, weil es insbesondere bei komplexen Gebäudestrukturen dazu beitrage, sich einen schnellen Überblick über den vertikalen Lastabtrag zu verschaffen.
Während die Statiker in FRILO die Bauteilberechnung und -bemessung durchführten, fertigen die Bauzeichner im Mosbacher Büro ein detailliertes 3D-Modell der Firmenzentrale in ALLPLAN an. Auf Grundlage der im Plattenprogramm PLT durchgeführten FE-Berechnungen erzeugten die Tragwerksplaner anschließend ASF-Dateien in FRILO und übergaben diese als Unterstützung für das schnelle und präzise Erstellen von Bewehrungsplänen an ALLPLAN. Insgesamt wurden auf diese Weise knapp 3.600 Bewehrungspläne und 2.000 Schalpläne in ALLPLAN angefertigt.
Hundertprozentige BIM-Planung: Multifunktionsgebäude Gottschall + Sohn
Bei einem neuen Multifunktionsgebäude für den Haustechnikgroßhändler Gottschall + Sohn in Grevenbroich zeichnete das Korschenbroicher Planungsbüro baues + partner sowohl für Architektur und Tragwerksplanung als auch für Wärme-, Schall- und Brandschutz verantwortlich. Eine perfekte Gelegenheit, um die BIM-Methode umfassend zu erproben. Der Neubau erweitert den bestehenden Firmenhauptsitz und umfasst neben einer großen Sanitärausstellung diverse Schulungs- und Seminarräume, Kantine und Küche sowie eine einzügige Kita der Stadt Grevenbroich. Konstruktiv handelt es sich um einen zweigeschossigen Stahlbeton-Skelettbau mit tragender Stahlbetonbodenplatte. Stahlbetonwandscheiben, die sich über beide Geschosse erstrecken, stabilisieren das Gebäude. Die unterschiedlichen Nutzungsbereiche werden je nach Schallschutz- oder Brandschutzanforderungen durch Mauerwerkswände getrennt.
Die Planungsgrundlage für den durchgängigen BIM-Prozess bildete ein in Archicad erzeugtes Tragwerksanalysemodell. Für die statische Berechnung wurde das auf seine tragenden Bauteile reduziere Modell als SAF-Datei zunächst an den BIM-Connector® von FRILO übergeben. Nach einer Überarbeitung des 3D-Modells für einen sauberen Lastabtrag wurden anschließend der vertikale Lastabtrag und die Erdbebenlasten im GEO von FRILO ermittelt. Da eine prüffähige Statik eines Positionsplans bedarf, erstellten die Bauzeichner:innen für die Ausführungsplanung das Fachmodell Tragwerksplanung in ALLPLAN, sobald die ersten Berechnungsergebnisse aus FRILO vorlagen. Nach und nach wurden die in FRILO ermittelten Ergebnisse in das ALLPLAN-Modell eingearbeitet. Nachdem der Positionsplan fertiggestellt war, erzeugten baues + partner noch die Schal- und Bewehrungspläne in ALLPLAN.
Wohnen im Viertseithof in Traunstein: Nachhaltige Wohnungsversorgung
In Traunstein zu wohnen ist zwar traumhaft, aufgrund der hohen Mieten für viele aber auch nicht unbedingt erschwinglich. Aus diesem Grund baut die Wohnungsbaugesellschaft Traunstein aktuell im Neubaugebiet Seiboldsdorf den sogenannten Vierseithof. Dabei handelt es sich um vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 50 Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen. Ganze 33 davon sind für Bürger:innen mit kleinen und mittleren Einkommen vorgesehen und werden entsprechend über die einkommensorientierte Förderung (EOF) des Freistaats Bayern gefördert. Zugleich ist das nach KfW40-Standard geplante Projekt stark auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit ausgelegt und umfasst neben Wärmepumpentechnologie und Photovoltaik auch attraktive Gemeinschaftsflächen wie ein Nachbarschaftscafé oder einen Gemeinschaftsgarten.
Mit der Statik, Bauphysik und Ausführungsplanung des Vierseithofs wurde das lokale Ingenieurbüro concon betraut. Planungsgrundlage des BIM-Projekts bildete ein vom Architekturbüro Guggenbichler + Wagenstaller in Archicad erstelltes Architekturmodell, nach dessen Vorbild die Ingenieur:innen zunächst ein eigenes Fachmodell Tragwerksplanung in ALLPLAN modellierten. Laut Florian Lindner, geschäftsführender Partner bei concon, diente letzteres unter anderem als Basis für die Schal- und Bewehrungsplanung, die Ausarbeitung der Schall- und Brandschutzpläne sowie für die energetische Begleitung des Projekts. Zudem wurde es insbesondere für eine prüffähige statische Berechnung benötigt. Das Fachmodell wurde hierfür per IFC-Schnittstelle an den BIM-Connector® von FRILO übergeben. Da die Materialien und Bauteilklassen zuvor in ALLPLAN korrekt hinterlegt worden waren, ließ sich auch hier das physische Modell quasi per Knopfdruck auf das Berechnungsmodell reduzieren.
Beim Vierseithof kam übrigens gleich zweimal ein Zusammenspiel zwischen ALLPLAN und FRILO zustande. Denn auch für die Baugrube wurde durch die verantwortliche GSGE GmbH der Verbauplan als 3D-Modell in ALLPLAN erstellt. Dieses diente beispielsweise der Ableitung der Massen, ebenso jedoch unter anderem als Grundlage für die spätere Berechnung der Standsicherheit der Baugrubenböschung mit der DC-Software von ALLPLAN.




