DIE ANGEMESSENHEIT DES BAUENS

Ein Museum für das Weltkulturerbe Regensburger Altstadt.

Haus der Bayerischen Geschichte, Regensburg

Allplan Architecture in der Praxis

Ein Museum zu bauen, wünscht sich jeder Architekt – genauso wie eine Kirche, ein Kloster oder eine markante Brücke. Doch egal welches Bauwerk er erschafft, ob nun von Weltruhm oder banaler Schlichtheit: Als Architekt setzt er stets ein Zeichen, vermittelt einen Standpunkt und positioniert seine Interpretation der Bauaufgabe in jedem seiner Bauwerke. Umso wichtiger ist es, dass Architekten äußerst bewusst mit dem Ort, dem Bauplatz und dem Bestand umgehen. Erst recht, wenn sie beispielsweise in einem Denkmalschutzgebiet und von der UNESCO zusätzlich geschützten Umfeld arbeiten. Denn es soll ihnen ja nicht ergehen wie im Fall des Dresdner Elbtals mit seiner umstrittenen Waldschlösschenbrücke: Entzug des Welterbestatus. Um einen kurzen Bogen zur markanten Brücke zu schlagen.

Die Regensburger Altstadt zählt seit 2006 zum geschützten UNESCO-Weltkulturerbe. Jeder Stein hinter den historischen Stadtmauern atmet jahrhundertealte Geschichte. Mehr als 1.000 Einzeldenkmäler umfasst die Denkmalliste der „Stadt an den vier Flüssen“, wie Regensburg auch genannt wird. Für jeden Architekten, der hier etwas anpackt, bedeutet das größte Behutsamkeit und Respekt im Umgang mit dem Bestand. Und dem historischen Erbe. Dennoch: Die wohl einmalige Aufgabe, am Ufer der Donau mitten in der Regensburger Altstadt, das neue „Haus der Bayerischen Geschichte“ zu errichten, reizte über 250 Architekturbüros. Aus einem europaweit ausgeschriebenen, öffentlichen und zweistufigen Architekturwettbewerb ging 2013 das Frankfurter Architekturbüro wörner traxler richter als Sieger hervor. Und es durfte seinen Entwurf realisieren.

PROJEKTINFORMATIONEN IM ÜBERBLICK

> Schwerpunkt: Architektur, Museumsbau
> Eingesetzte Software: Allplan Architecture
> Architekt: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh
> Auftraggeber: Freistaat Bayern, vertreten durch: Staatliches Bauamt Regensburg
> Nutzer: Haus der Bayerischen Geschichte im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
> Leistungsphasen: 1-6
> Kosten: ca. 88 Mio € brutto insgesamt
> Größe: NF Haus der Bayerischen Geschichte 5.100 m², NF Bavariathek 1.300 m²
> Wettbewerbsauslobung: 2012
> Wettbewerbsentscheid: April 2013
> Baubeginn: März 2015
> Grundsteinlegung: Mai 2015
> Baufertigstellung: 2019


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Behutsam alte Wunden schliessen

Die besondere städtebauliche Situation am ehemaligen Hunnenplatz, auf dem das Museum heute steht, forderte die Frankfurter Architekten heraus. Für die Regensburger Einwohner sollte an diesem Standort eine alte klaffende Wunde geschlossen werden: In den 1950er Jahren war hier ein zentraler Verkehrsknotenpunkt in der historischen Altstadt geplant. Über 40 Gebäude in unmittelbarer Nähe des heutigen Museums mussten damals weichen.

Das Projekt kam nie zustande, doch die Häuser am Hunnenplatz und dem östlichen Georgenplatz waren schon Mitte der 1960er abgerissen. wörner traxler richter erkannten die Bedeutung jenes Ortes für das gewachsene Stadtgefüge. Sie reagierten im Entwurf darum unter anderem mit der Aufnahme der Dachlinien aus den umgebenden Häusern und führten sie im Neubau fort. Das Spiel der Dachlandschaften nimmt ebenfalls Bezug zur heterogenen und über die Jahrhunderte gewachsene Nachbarbebauung. Im Kanon mit der lebendigen Fassadenstruktur und Oberfläche aus Keramik entsteht eine besondere Qualität des Museums: Es ist ein monolithischer Solitär, der prägnante stadträumliche und architektonische Bezüge zum historisch kleinteiligen Bestand sucht. Und sie findet.

„Allplan ist für unser Büro ein fester Bestandteil geworden. Für uns ist es daher wichtig, dass ALLPLAN viel Energie in seine Software steckt und mit uns zusammen vorn dabei ist!“

Stefan Traxler, Geschäftsführender Gesellschafter der wörner traxler richter schweiz gmbh

Funktionale Ausrichtung – Zeitgemässe Interpretation

Die Architekten setzten sich intensiv mit dem historischen Befund vor Ort auseinander und lassen in ihrem Gebäude den verloren geglaubten Hunnenplatz wiedererstehen. Das Motiv des Platzes als öffentlicher Raum trägt ihren Entwurf. Doch trotz einer Vielzahl Reminiszenzen an die Geschichte des Ortes, entstand eine zeitgemäße und kraftvolle Architektur. Projektleiter Torsten Hassenbach: „Das Museum hat eine stark funktionale Ausrichtung. Dennoch wollten wir stets ein skulpturales Gebäude bauen und nicht ein simples Haus mit ablesbaren Geschossen und kopierten Regensburger Motiven. Eine Skulptur war das Ziel, die sich eng in das Umfeld einfügt und sich damit verzahnt. Das war eine große Herausforderung.“ Stefan Traxler, einer der Geschäftsführer von wörner traxler richter und einer der Entwurfsverfasser ergänzt: „Architektur soll Stellung beziehen. Sie soll ernsthaft sein. Architektur ist keine Satire, sondern gebaute Wirklichkeit. Wir Architekten sollten uns also ernsthaft mit ihr auseinandersetzen und einen Beitrag aus unserer Zeit liefern. Aber stets mit dem nötigen Respekt gegenüber dem, was wir vor Ort finden.“

Die zeitgemäße Interpretation des historischen Stadtgrundrisses am Hunnenplatz setzt neue Wegbeziehungen im Quartier – ohne zwangsläufig die Ausstellung selbst zu besuchen. Für wörner traxler richter sind die zentrale, öffentliche Halle im Gebäude und die Gasse, die sich durch den Museumsbau zieht, wichtige Bindeglieder zwischen Alt und Neu. Dass die Frankfurter Architekten sehr aufmerksam Gebäude und Standort verknüpfen, spiegelt sich auch in den Fassaden wider. Sie entwickeln sich einerseits selbstbewusst und eigenständig, führen aber andererseits Traufen und Maßstäblichkeit der umgebenden Häuser fort. Vertikale, vorgehängte Keramikelemente liegen verbindend wie ein engmaschiges Netz über dem Baukörper und machen ihn als Gesamtstruktur erlebbar.

Umfassende Kooperation und modellbasierte Planung

Die Ausstellungsarchitektur und das Museumskonzept stammen von den Spezialisten HG Merz. Das Büro hat eine Vielzahl von Museen beplant, so das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart oder das Richard Wagner Museum in Bayreuth. Die Zusammenarbeit von wörner traxler richter und HG Merz verlief reibungslos. Auch wenn Architekturkonzept und Ausstellungskonzept anfangs keineswegs deckungsgleich waren. Für Projektleiter Torsten Hassenbach erwies es sich dennoch als fruchtbare Kooperation: „Es gibt Bereiche, wo wir direkt an den Bestand angeschlossen haben. Da ließen sich zum Beispiel wegen der geringen Raumhöhe bestimmte Exponate gar nicht an die Wände hängen. HG Merz haben den Ausstellungsverlauf dann mit uns umorganisiert und angepasst. Sowas ist ohne eine gute Zusammenarbeit gar nicht möglich.“

Die komplexe Planung und die minutiös durchorganisierte Umsetzung vor Ort bedeutete bei allen Partnern eine offene Kommunikation und perfekte Organisationsleistung. Eine bauteilorientierte Planung kann für Projekte wie das Haus der Bayerischen Geschichte die optimale Lösung sein. Auch wörner traxler richter setzten im Projekt auf eine konsequente Modellierung mit ihrer Planungssoftware Allplan und nutzten die technischen Möglichkeiten des Tools, um die eigenen Projekt- abläufe zu optimieren. Darüber hinaus erwies sich das Planungsmodell als äußerst hilfreich für die Dimensionierung der aufwendigen Stahldachkonstruktion. Der Tragwerksplaner nutzte das Modell und entwickelte sein Statikmodell daraus.

Die Architekten generierten vorrangig Grundrisse und keine Schnitte oder Ansichten aus dem GebäuInnenansicht demodell, was mit der Kubatur zu tun hatte. Torsten Hassenbach: „Die Ansichten sind komplex, weil im Museum praktisch keine zwei Flächen parallel zueinander verlaufen. Und wir standen immer vor der Frage, ob wir Flächen ausgeben, die geometrisch eine Ansicht sind, oder die Addition von Abwicklungen. Beides erschien uns unsinnig. Wir wollten es in einer Zeichnung zusammenbringen, die sowohl für Präsentationszwecke und als Werkplanung dienen konnte.“

BIM wird erst mit dem Bauherrn erfolgreich

Der Einsatz der BIM-Planungsmethode und die bauteilorientierte Planung in Allplan gehört bei wörner traxler richter zum Alltag, auch wenn sie beim Haus der Bayerischen Geschichte nicht angewendet wurde. In laufenden Projekten setzen die Architekten auf BIM bei der Mengen- und Massenermittlung oder im Austausch mit den Fachplanern. Das Büro arbeitet bereits seit 2003 in 3D, seit 2013 bauteilorientiert. Der Nutzen, so stellt Stefan Traxler klar, muss aber vor allem dem Bauherrn vermittelt werden. Wenn dieser BIM fordert, weil er zum Beispiel aus dem Gebäudemodell sein Betreiber-Modell (FM-Modell) ableiten möchte, muss er den damit verbundenen Prozess verstehen.

Die gängige Planungskultur in Deutschland ermöglichte es Bauherren bisher, auch in fortgeschrittenen Projektphasen für ihn kostenneutral umfassende Änderungen durchzusetzen. BIM erfordert jedoch frühe, verbindliche Entscheidungen für eine reibungslose Projektabwicklung. Denn sonst sind die Aufwände für eine Umplanung bei Projektbeteiligten wie den Architekten oder Tragwerks- und TGA-Planern immens – und leider oft unbezahlt. Diese Disziplinierung, so Stefan Traxler und Torsten Hassenbach unisono, ist aber nötig, um BIM erfolgreich im Markt zu verankern und den Aufwand mit der digitalen Methode nicht größer, sondern kleiner werden zu lassen.

Der Kunde

Das Büro wörner traxler richter architekten wurde 1971 in Frankfurt am Main gegründet. An drei Standorten Frankfurt, Dresden und München arbeiten heute über 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Büro hat sich international einen Namen im Gesundheits- und Forschungsbau erarbeitet. Hinzu kommen Wohn- und Hotelprojekte, Museums- und Kulturbauten, städtebauliche Konzepte und die Entwicklung von Masterplänen.

Neben ihren Ingenieurleistungen bieten die Architekten ihr Know-how im BIM-Bereich als Berater und Fachplaner an. Hinzu kommt die Partnerschaft von wörner traxler richter architekten an der mtp + Planungsgesellschaft für Medizintechnik mbH, einem Spezialisten für Medizin- und Labortechnikplanung.

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