Über BIM hinaus: Wie geht es mit dem digitalen Bauen weiter?

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Vernetzte Daten ermöglichen den nächsten Digitalisierungsschub in der AEC-Branche. Sunil Pandita erklärt, warum integrierte Workflows der Schlüssel zu AEC Intelligence sind.

Unternehmen aus Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen (AEC) verfügen heutzutage über mehr digitale Werkzeuge und Projektdaten als je zuvor. Doch wenn Projekte verschiedene Fachdisziplinen, Unternehmen und Lebenszyklusphasen durchlaufen, können diese Informationen noch immer fragmentiert werden oder ihren Zusammenhang verlieren. Geht es beim nächsten Digitalisierungsschub der Branche also wirklich darum, weitere Technologien einzuführen – oder darum, die bereits vorhandenen Informationen besser zu nutzen?

In aller Kürze:

> Die AEC-Branche hat erheblich in digitale Technologien investiert. Fragmentierte Informationen bleiben jedoch ein wesentliches Hindernis für eine effizientere Projektabwicklung.

> Vernetzte Workflows können dazu beitragen, Projektinformationen und Planungsabsichten beim Datenaustausch zwischen Fachdisziplinen und Lebenszyklusphasen zu bewahren.

> Erfolgreiche digitale Transformation beginnt bei betrieblichen Herausforderungen und angestrebten Ergebnissen – nicht allein bei der Einführung der neuesten Technologie.

> Offene Standards und Interoperabilität sind für die Zusammenarbeit unverzichtbar, insbesondere bei komplexen Projekten, an denen mehrere Unternehmen, Plattformen und Länder beteiligt sind.

> Durch die Verbindung von Fachwissen, verlässliche Projektdaten und offene Ökosysteme kann die Branche digitale Informationen in praktisch nutzbare AEC Intelligence umwandeln.


Sunil Pandita, Chief Division Officer Planning & Design der Nemetschek Group und CEO von ALLPLAN, sieht die Antwort in der Verbindung von Fachwissen, verlässlichen Projektdaten und offener Zusammenarbeit. In diesem Beitrag erläutert er, wie sich digitale Informationen mit diesem Ansatz in praktisch nutzbare AEC Intelligence umwandeln lassen – und letztlich in bessere Projektentscheidungen.

Von digitalen Werkzeugen zu AEC Intelligence

In meinen beiden Funktionen konzentriere ich mich darauf, die AEC-Branche dabei zu unterstützen, Projekte über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg besser zu planen, umzusetzen und zu steuern. Wir arbeiten mit Fachleuten im Hoch- und Infrastrukturbau zusammen, die Produktivität, Zusammenarbeit und Qualität verbessern möchten.

Es ist jedoch an der Zeit, den Blick über einzelne Technologien hinaus zu richten. Die Branche diskutiert häufig getrennt über KI, BIM und digitale Zwillinge. Das eigentliche Potenzial liegt aber im Zusammenspiel dieser Technologien.

Für mich geht es in Zukunft darum, aus Fachwissen, verlässlichen Projektdaten und offener Zusammenarbeit eine fundierte Grundlage für konkrete Entscheidungen zu schaffen. Technologie schafft nur dann Mehrwert, wenn sie Menschen hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Deshalb sollte sich die Branche meiner Ansicht nach weniger auf einzelne Werkzeuge konzentrieren und stärker darauf, wie Informationen über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg fließen.

Die eigentliche digitale Herausforderung: fragmentierte Informationen

In den vergangenen 30 Jahren haben Unternehmen der AEC-Branche in digitale Werkzeuge investiert, um effizienter zu arbeiten. Heute liegt die Herausforderung jedoch häufig eher im Umgang mit fragmentierten Informationen innerhalb eines Projekts als in der Einführung neuer Technologien.

Projektteams arbeiten meist mit unterschiedlichen Systemen, Fachdisziplinen und Workflows. Auf dem Weg vom Entwurf über die Planung, Fertigung und Bauausführung bis zum Betrieb werden Daten oft neu erstellt, umformatiert oder manuell übertragen. Bei jeder Übergabe entsteht eine Kopie, die nicht mehr mit den ursprünglichen Daten verknüpft ist. Damit steigt das Risiko von Verzögerungen, Unstimmigkeiten und Informationsverlusten.

Die Lösung sollte darin bestehen, vernetzte Workflows auf einer gemeinsamen Datengrundlage zu etablieren, statt auf isolierte Softwareplattformen zu setzen. Teams brauchen einen gemeinsamen Rahmen, der einen konsistenten Informationsfluss zwischen den Fachdisziplinen ermöglicht und dabei Planungsabsichten und Projektzusammenhänge bewahrt.

Das ist insbesondere in Bauprojekten wichtig, bei denen Architekt:innen, Ingenieur:innen, Bauunternehmen, Hersteller und Bauherren gemeinsam zum Projektergebnis beitragen. Alle Beteiligten bringen wertvolles Fachwissen ein. Die Zusammenarbeit wird jedoch deutlich effektiver, wenn alle mit vernetzten Informationen arbeiten. Ziel ist es, über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg Kontinuität und Vertrauen zu schaffen, damit Entscheidungen aus der Planungsphase auch bei der Bauausführung und im Betrieb ihren Wert behalten.

Beim Problem ansetzen – nicht bei der Technologie

Das Tempo des technologischen Wandels kann überwältigend wirken, insbesondere wenn Unternehmen Projektabwicklung und digitale Transformation gleichzeitig bewältigen müssen. Mein Rat ist, sich auf die angestrebten Ergebnisse zu konzentrieren statt auf die Technologien.

Die erfolgreiche Einführung digitaler Technologien beginnt damit, konkrete betriebliche Herausforderungen zu identifizieren wie das Reduzieren von Nacharbeiten, die Verbesserung von Zusammenarbeit, eine schnellere Projektabwicklung oder mehr Transparenz in Projekten. Technologie sollte diesen Zielen dienen und nicht zum Selbstzweck werden.

Ebenso wichtig ist es, auf vorhandenem Fachwissen aufzubauen. Ingenieur:innen, Architekt:innen und Bauunternehmen verfügen bereits über umfassende Fachkenntnisse. Digitale Werkzeuge sollten diese Kompetenz stärken, nicht ersetzen. Besonders erfolgreich ist ihre Einführung meist dann, wenn erfahrene Fachleute Technologien nutzen, die Workflows vereinfachen und ihr Wissen besser zur Geltung bringen.

Wichtig sind auch offene, interoperable Lösungen. Sie ermöglichen es Unternehmen, ihre digitalen Workflows an veränderte Anforderungen anzupassen, ohne neue Informationssilos zu schaffen.

Letztlich ist die digitale Transformation ein kontinuierlicher Prozess: Menschen, Daten und Workflows werden immer besser miteinander vernetzt, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Warum offene Standards für vernetztes Bauen wichtig sind

Behörden spielen eine wichtige Rolle dabei, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Zusammenarbeit und Innovation entfalten können. Das größte Potenzial liegt meiner Ansicht nach weniger in der Förderung einzelner Technologien als in der Unterstützung offener Standards, gemeinsamer Informationsanforderungen und einheitlicher Ansätze für die digitale Projektabwicklung. Wenn Organisationen innerhalb eines gemeinsamen Rahmens arbeiten, wird die Zusammenarbeit einfacher und Informationen lassen sich effektiver zwischen den Beteiligten austauschen.

Open BIM ist dafür ein gutes Beispiel: Es ermöglicht den Projektbeteiligten, Informationen über verschiedene Plattformen hinweg auszutauschen und dabei Datenqualität und Transparenz zu wahren. Organisationen wie buildingSMART International haben wesentlich dazu beigetragen, diese offenen Standards in der gesamten Branche voranzubringen.

Angesichts zunehmend komplexer Projekte können Regierungen und Behörden helfen, indem sie Interoperabilität fördern und Standards unterstützen, die für konsistente Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg sorgen. So können Unternehmen die Lösungen wählen, die am besten zu ihren Anforderungen passen. Zugleich bleiben Daten über Fachdisziplinen hinweg zugänglich, verlässlich und nützlich. Langfristig entsteht dadurch eine tragfähigere Grundlage für Innovation, Produktivität und bessere Projektergebnisse.

Was uns grenzüberschreitende Projekte über vernetzte Daten zeigen

Der asiatisch-pazifische Raum zeigt eindrucksvoll, warum offene Standards und vernetzte Workflows immer wichtiger werden. Die Region verbindet umfangreiche Infrastrukturinvestitionen und eine rasche Urbanisierung mit einer zunehmenden Zusammenarbeit zwischen Organisationen aus verschiedenen Ländern. An Projekten können internationale Beratungsunternehmen, Bauunternehmen, Hersteller und Bauherren beteiligt sein, die über mehrere Rechtsräume hinweg zusammenarbeiten.

Das eröffnet enorme Chancen, erhöht aber auch die Komplexität. Die einzelnen Länder haben eigene Vorschriften, Normen und Vergabeverfahren sowie unterschiedliche digitale Reifegrade. Ohne einen einheitlichen Ansatz für das Informationsmanagement können diese Unterschiede zu ineffizienten Abläufen führen und die Zusammenarbeit erschweren.

Statt von allen Beteiligten dieselbe Software zu verlangen, sollte der Schwerpunkt darauf liegen, einen verlässlichen Informationsaustausch zwischen Organisationen sicherzustellen, bei dem Kontext und Integrität der Informationen erhalten bleiben.

Die Region ist in vielerlei Hinsicht gut aufgestellt, um in der nächsten Phase des digitalen Bauens eine führende Rolle zu übernehmen, da die zahlreichen Bauvorhaben mit internationaler Beteiligung die Gelegenheit bieten, diese vernetzten Workflows von Anfang an aufzubauen. Bei Projekten in der gesamten Region haben wir gesehen, wie vernetzte Arbeitsabläufe die Ergebnisse verbessern können. So haben etwa modellbasierte Workflows bei Wohnbauprojekten mit Fertigteilen in Singapur dazu beigetragen, die Produktivität zu steigern, die Visualisierung zu verbessern und Fehler bei der manuellen Bearbeitung zu reduzieren. Möglich wurde dies, weil die Teams über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg auf einer gemeinsamen digitalen Datengrundlage arbeiten konnten.

Mit der zunehmend grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wird der Erfolg weniger davon abhängen, Software zu vereinheitlichen, als davon, die Erstellung, den Austausch und die Verwaltung von Informationen über Projektteams hinweg zu standardisieren.

Digitale Transformation braucht auch Menschen

Die Einführung neuer Technologien erfordert mehr als Software. Sie braucht auch Aus- und Weiterbildung, Wissensaustausch und Möglichkeiten für Fachleute, die Kompetenzen für den effektiven Einsatz neuer digitaler Workflows zu entwickeln.

Bei ALLPLAN und innerhalb der Nemetschek Group unterstützen wir dies durch Webinare, Fachworkshops, Kundenveranstaltungen und Branchenkonferenzen wie unseren Global Infrastructure Digital Summit. Dort teilen Expert:innen praktische Erfahrungen und Einblicke in reale Projekte.

Darüber hinaus fördern wir den Nachwuchs durch Studierendenwettbewerbe, Bildungsinitiativen und die Zusammenarbeit mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Diese Programme vermitteln frühzeitig ein Verständnis für BIM, digitale Planungsmethoden und moderne Design-to-Build-Workflows.

Aus- und Weiterbildung sind jedoch nur ein Teil des Ganzen. Unser Ziel ist es, Kunden dabei zu unterstützen, ihre Workflows besser zu vernetzen: durch Interoperabilität, offene Standards, cloudbasierte Zusammenarbeit und integrierte Prozesse, die Entwurf, Fachplanung, Fertigung und Bauausführung verbinden. Wir helfen Unternehmen, von isolierten digitalen Werkzeugen zu vernetzten Ökosystemen überzugehen, die einen messbaren Mehrwert schaffen.

Der nächste Schritt: Projektdaten in fundierte Entscheidungsgrundlagen umwandeln

Die Zukunft der AEC-Branche wird nicht von einer einzelnen Technologie bestimmt. Entscheidend wird vielmehr sein, wie wirkungsvoll wir Fachwissen, Informationen und Workflows miteinander verknüpfen.

KI, BIM, digitale Zwillinge und cloudbasierte Zusammenarbeit werden sich weiterentwickeln. Ihr tatsächlicher Mehrwert entfaltet sich jedoch erst im Zusammenspiel innerhalb eines vernetzten Ökosystems. KI wird leistungsfähiger, wenn sie mit verlässlichen Projektdaten arbeitet. Digitale Zwillinge werden wertvoller, wenn sie mit den realen Gegebenheiten verbunden bleiben. BIM entfaltet mehr Wirkung, wenn Informationen nahtlos über den gesamten Lebenszyklus hinweg fließen. Genau das bezeichne ich als AEC Intelligence: jene Kombination aus fundiertem Fachwissen, hochwertigen Daten und offenen Ökosystemen, die bessere Entscheidungen ermöglicht.

Bei ALLPLAN konzentrieren wir uns darauf, Kunden beim Aufbau dieser vernetzten Workflows zu unterstützen und Projektinformationen in fundierte Entscheidungsgrundlagen für Entwurf, Planung, Ausführung und Betrieb umzuwandeln.

Die Branche hat bereits einen großen Teil ihrer Informationen digitalisiert. Im nächsten Schritt geht es darum, daraus Wissen, Erkenntnisse und bessere Ergebnisse für Menschen, Projekte und die Gesellschaft zu gewinnen.