Himmlische Entspannung nach einem höllisch-guten Entwurf: Das Alpin Panorama Hotel Hubertus lockt mit einem aufsehenerregenden Wellnessbereich, der auf vielen Ebenen besticht.
In aller Kürze: > Das Alpin Panorama Hotel Hubertus verfügt seit 2022 über einen spektakulären Wellnessbereich, der weit vom eigentlichen Hauptbaukörper auskragt. > Die Tragwerksplanung erfolgte durch IPM Engineering mit ALLPLAN und FRILO. > Das Tragwerk ist eine Hybridkonstruktion aus Beton-, Stahl- und Holzelementen. > Die Materialität sowie die statischen Anforderungen der Ausstattung brachten einige Herausforderungen mit sich. |
Das Alpin Panorama Hotel Hubertus in Olang, Sürdtirol, steht für Entspannung und Erholung auf höchstem Niveau. Umgeben von den malerischen Bergen des Pustertals, bietet der Fünf-Sterne-Hotelbetrieb unter anderem eine preisgekrönte, 7.000 Quadratmeter große Spa-Landschaft mit unterschiedlichen Saunen, Pools und diversen Ruhebereichen. Teil davon ist seit Mitte 2022 auch ein buchstäblich „herausragender“ Wellnessbereich, der gleichwohl die Herzen von Architekturliebhaber:innen und Statiker:innen höher schlagen lässt: Ein elf Meter vom Hauptgebäude auskragender Annex, der 14 Meter über dem Boden „schwebt“. Der spektakuläre Entwurf stammt vom Architekturkollektiv NOA aus Bozen. Die herausfordernde Statik wurde von IPM Engineering entwickelt – mit ALLPLAN und FRILO.
Schwebender Annex stellt Saunen und Co. auf den Kopf
„Heaven & Hell“ nennt das Hotel seinen schwebenden Annex – ein Name, der hauptsächlich von einer architektonischen Eigenart herrührt. Die Wellnessplattform beherbergt nämlich gewissermaßen eine obere und eine untere Welt, die jeweils kleinen Hütten mit Satteldächern gleichen, wobei die „Unterwelt“ jedoch auf dem Kopf steht. Dass es in dieser „Hölle“ besonders qualvoll zugeht, ist – trotz der höheren Temperatur – eher nicht zu erwarten, befinden sich auf den 65 Quadratmetern Nutzfläche schließlich Annehmlichkeiten wie zwei Saunen, ein Außenbecken (Whirlpool), eine Duschkabine und ein Kälte-Sprühregen. Die umgedrehten Dächer dienen dabei als zusätzlicher Raum für die Sitzstufen der Saunas und die Wasseraufbereitung des Pools.
Der „Himmel“ hält in dieser Wellness-Dichotomie mit einer wesentlich größeren Nutzfläche von 140 Quadratmetern weitere Anlagen für himmlische Entspannung bereit. Dazu gehören zwei Whirlpools sowie ebenso viele Panoramaduschen und eine Umkleidekabine. Der Großteil dieses oberen Wellnessangebots befindet sich – im Gegensatz zur „Unterwelt“ – im Freien.
Hybrid-Tragwerk erforderte hohes Maß an Koordination
Das Tragwerk des Annex vereint verschiedene Konstruktionen aus Beton, Stahl und Holz. Betonfundamente bilden die Haupttragstruktur, die bis zur Felsoberkante ausgeführt wurde. Dort, wo dies nicht möglich war, kamen Stahlbohrpfähle zum Einsatz. Auch das Primärtragwerk des Annex ist eine Stahlkonstruktion, bestehend aus zwei 40 Meter langen I-Trägern, die auf zwei geneigten Stahlstützen aus Stahlrohren aufliegen. Letztere sind zusätzlich mit Lärchenstämmen verkleidet. Die Plattform selbst ist wiederum über I-Träger mit den Hauptträgern verschraubt – die umgekehrten Häuschen wurden über eine weitere Stahlstruktur an diese gehängt. Stahlbeton-Verbunddecken mit mittragendem Trapezblech formen die Plattformen der beiden Ebenen aus, während die Whirlpools mit zusätzlich entkoppelten Stahlbetonplatten ausgeführt wurden. Die Ausfachung der Wände erfolgte mit kreuzverleimten Holzplatten.
Die Konstruktion der verschiedenen Tragwerkselemente aus unterschiedlichen Materialien kam nicht ohne Herausforderungen. So mussten drei spezialisierte Gewerke – Maurer, Schlosser, Zimmerer – praktisch gleichzeitig auf der Baustelle die Tragstruktur errichten. Diese parallele Ausführung durch die spezialisierten Firmen erforderte ein hohes Maß an Koordination vor Ort. Eine besondere statische Herausforderung stellten zudem – aufgrund besonders strenger Anforderungen an die Grenzverformung – die drei Whirlpools mit Infinity-Überlaufrinne dar.
Tragwerksplanung in ALLPLAN und FRILO
Für die komplexe Planung des Hybridtragwerks nutzte IPM Engineering ALLPLAN und FRILO. Während ersteres als Arbeitsumgebung für die Ausführungsplanung diente, erfolgte die Bemessung der Tragglieder aus Beton, Stahl und Holz in der Baustatik-Software. Dabei wurden zunächst verschiedene statische Systeme eruiert. Nach Auswahl der bevorzugten Variante wurden die Berechnungen elementweise geführt, damit diese stets schnell überprüft und angepasst werden konnten. Das Ingenieurbüro aus Bruneck machte dabei ausgiebig von der Programmvielfalt in FRILO Gebrauch, so dass sich die planerischen Herausforderungen schnell und reibungslos lösen ließen. Letztlich ermöglichte die präzise Planung in ALLPLAN und FRILO eine exakte Vorhersage der Verformungen sowie eine Reduzierung des Materialaufwands auf ein Mindestmaß.




