ALLPLAN und FRILO: 3 Beispiele für eine starke Zusammenarbeit
Für Ingenieurbüros ist die Wahl der richtigen Statiksoftware ebenso richtungsweisend wie vielschichtig. Aber auf welcher Basis vergleichen Sie am besten die verschiedenen Softwareoptionen? Worauf sollten Sie achten? Und welche Faktoren sollten Sie in Ihre Kosten-Nutzen-Analyse einbeziehen? Wir schlagen Ihnen 7 Kriterien vor, die Ihnen als Entscheidungsgrundlage dienen.
Lösungen für die softwaregestützte statische Berechnung von Tragwerken sind das zentrale Werkzeug im Arbeitsalltag von Tragwerksplaner:innen und ein essenzieller Treiber für den Erfolg Ihres Ingenieurbüros. Logisch, dass Sie Ihre Investition in Statiksoftware deshalb auf Langfristigkeit auslegen. Die Entscheidung für die Softwarelösungen der Zukunft sollte also wohl überlegt sein. Prinzipiell spielt Ihnen die Angebotsfülle am Markt in die Karten. Das Spektrum der Optionen gliedert sich dabei in zwei grundlegende Konzepte von Statiksoftware auf: Software für bauteilorientierte Statik und Software für Statik am 3D-Modell. Wir empfehlen Ihnen deshalb, sich vor dem eigentlichen Vergleich der Softwareoptionen erst vor Augen zu führen, welche Anforderungen die Projekte und Aufträge, die Sie annehmen, an Ihr Ingenieurbüro und damit an das Konzept einer Statiksoftware stellen.
7 Kriterien für die Bewertung von Statiksoftware
Die Entscheidung für oder gegen eine Statiksoftware ist vielschichtig. Wichtig ist, dass Sie als Büroinhabende oder Geschäftsführende beim Abarbeiten eines Kriterienkatalogs nicht nur die kaufmännischen Faktoren berücksichtigen, sondern auch den Nutzen der Software durchdringen und die Bedürfnisse derer im Blick behalten, die die Software letztlich im Tagesgeschäft einsetzen.
Lassen Sie deshalb die folgenden 7 Kriterien in Ihre Entscheidung für die Statiksoftware einfließen:
1. Kosten & Lizenzmodell
Was kostet mich die Software und in welchem Modell werden die Lizenzen angeboten?
2. Leistungs- & Funktionsumfang
Welche Leistungen und Funktionen erhalte ich mit dem Erwerb der Software und rechtfertigen sie die Investition?
3. Normkonformität
Sind in der Software alle aktuellen Normen, die ich für meine Projekte benötige, implementiert?
4. Prüffähige Dokumentation der Ergebnisse
Sind die mit der Software getätigten Nachweisverfahren gut nachvollziehbar und kann ich die Berechnungsergebnisse übersichtlich in einer prüffähigen Dokumentation ausgeben?
5. Interoperabilität & BIM-Kompatibilität
Wie gut interagiert die Software mit anderen Softwaresystemen und kann ich mit der Software dank offener Standards problemlos an BIM-Workflows partizipieren?
6. Benutzerfreundlichkeit
Erfüllt die Software meine Anforderungen an eine einfach und intuitiv zu bedienende Programmoberfläche, die eine schnelle Einarbeitung und effizientes Arbeiten ermöglicht?
7. Support & Schulungsangebot
Inwiefern unterstützt mich das Support- und Schulungsangebot des Softwareanbieters auch nach dem Erwerb dabei, effizient mit der Software zu arbeiten?
I. Kosten und Lizenzmodell
Viele beginnen bei der Evaluierung von Statiksoftware mit dem Offensichtlichen: dem Preis. Schließlich muss jede Anschaffung finanzierbar sein. Außerdem sind Preise quantifizierbar und somit vergleichbar. Aber Achtung: Preis- und Lizenzmodelle variieren stark von Software zu Software. Einige Unternehmen bieten Lizenzen im Abonnement-Modell an, während andere unbefristete Kauflizenzen mit laufenden Wartungsverträgen offerieren oder nur für die Dauer der faktischen Nutzung abrechnen.
Lassen Sie folgende Aspekte ebenfalls in die Entscheidung einfließen:
> Lizenzierung – Wird die Software als Floating-Lizenz oder Einzellizenz angeboten? Eine Floating-Lizenz gewährt mehreren autorisierten User:innen Zugriff auf die Software. Die Anzahl der Lizenzen bestimmt, wie viele Nutzer:innen die Software zeitgleich nutzen können. Bei einer Einzellizenz ist die Nutzung hingegen auf einen bestimmten User beschränkt.
> Preisentwicklung – In welcher Regelmäßigkeit hat der Softwareanbieter seine Preise in der Vergangenheit erhöht? Das lässt Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen zu. Um ihren Kunden mehr Planungssicherheit zu geben, garantieren machen Anbieter aber auch eine Preisstabilität für einen festgelegten Zeitraum.
> Versteckte Kosten – Stellen Sie sicher, dass Sie nicht von versteckten Kosten für die Nutzung des technischen Supports, unerwartete Updates oder fehlende Funktionen, die den Erwerb von Add-ons notwendig machen, überrascht werden.
Wenngleich der Preis ein zentrales Kriterium bei der Anschaffung von Software ist, erzählt er auf den ersten Blick oft nicht die ganze Geschichte. Neben dem angebotenen Lizenzmodell sollten Sie auch Preisentwicklungen über die Zeit und versteckte Zusatzkosten im Blick behalten. Und: letztendlich muss der Preis immer auch mit dem erworbenen Leistungsumfang ins Verhältnis gesetzt werden.
II. Leistungs- und Funktionsumfang
Preis und Leistungsumfang sind zwei Seiten derselben Medaille. Denn was nützt Ihnen eine günstige Software, wenn sie Sie nicht dabei unterstützt, Ihre Projektanforderungen bestmöglich zu erfüllen. Aber Vorsicht: Auch eine teure Software garantiert nicht, all Ihre Bedürfnisse abzudecken. Natürlich sollten Sie insbesondere bei hochspezialisierten Werkzeugen wie Statiksoftware keine großen Kompromisse bei der Qualität eingehen. Überlegen Sie sich trotzdem gut, welchen Wert eine Software Ihrem Unternehmen wirklich bringt und ob der Leistungsumfang den aufgerufenen Preis rechtfertigt.
Lassen Sie folgende Aspekte in die Entscheidung einfließen:
> Projektanforderungen – Überlegen Sie, welche Werkzeuge und Funktionen für die Umsetzung Ihrer Projekte zwingend erforderlich sind, was Sie als „Nice-to-have“ einstufen und auf was Sie verzichten können.
> Automatisierungsgrad – Je mehr Funktionen die Statiksoftware automatisiert ausführt, desto effizienter meistern Sie Ihre Projekte. Durch Automatisierungen wie bei der Erzeugung von Lasten und Lastfallkombinationen, bei der Optimierung des Materialeinsatzes oder bei der Umwandlung von Modellen können Sie viel Zeit sparen und die Fehleranfälligkeit reduzieren.
> Flexibilität – Halten Sie nach Softwarelösungen Ausschau, die Ihnen ermöglichen, zwischen Modulen oder Editionen auszuwählen. Das gibt Ihnen Flexibilität und erhöht Ihre Chance auf eine möglichst bedarfsgerechte Investition.
III. Normkonformität
Die Normkonformität ist ein zentrales Qualitätsmerkmal von Statiksoftware, denn sie garantiert, dass die statischen Berechnungen regelbasiert ablaufen und die Ergebnisse für Genehmigungsverfahren verwertbar sind.
Achten Sie im Hinblick auf Normen auf folgende Aspekte:
> Nationale Normen – Stellen Sie sicher, dass in der Statiksoftware mindestens die aktuell gültigen, nationalen Normen implementiert sein, damit Sie rechtsverbindliche Nachweise auf Ihrem Heimatmarkt rechnen können.
> Internationale Normen – Führen Sie sich außerdem vor Augen, in welchen anderen Ländern und Regionen Sie Projekte planen und welche internationalen Normen Sie dafür benötigen. In Europa sind die Regeln für die Berechnung und Bemessung z.B. in den Eurocodes geregelt.
> Implementierung neuer Normen – Normen und Bauvorschriften werden immer wieder durch Normausschüsse überarbeitet und ergänzt. Neue Normen entstehen. Vergewissern Sie sich, dass Unternehmen in der Vergangenheit keine Probleme hatten, Normänderungen zügig, zuverlässig und lückenlos in ihre Statiksoftware zu implementieren.
IV. Prüffähige Dokumentation der Ergebnisse
Neben der Normkonformität lebt eine konkurrenzfähige Statiksoftware auch von der Zuverlässigkeit, der Präzision und der Nachvollziehbarkeit ihrer Berechnungsergebnisse. Eine prüffähige Statik trägt maßgeblich zur Sicherheit von Bauwerken bei und ist deshalb in vielen Fällen sogar rechtlich vorgeschrieben. Damit statische Nachweise von Dritten – insbesondere von Prüfingenieuren – vollständig nachvollzogen und auf ihre Korrektheit überprüft werden können, sollte die Statiksoftware Ihrer Wahl eine umfassende und transparente Dokumentation der Ergebnisse erzeugen und ausgeben können.
Folgende Informationen sollte eine gute Dokumentation enthalten:
> Eingabedaten – Alle verwendeten Parameter, Lasten, Lastfälle und Materialeigenschaften
> Berechnungsergebnisse – Alle Ergebnisse der Berechnung und Bemessung in tabellarischer und bei Bedarf auch grafischer Darstellung
> Zwischenergebnisse – Die Zwischenwerte und Berechnungsschritte für mehr Plausibilität
> Nachweisbezug – Eine Erläuterung der angewandten Berechnungsmethoden, Nachweisverfahren und Formeln für mehr Plausibilität
Beantworten Sie folgende Fragen, wenn Sie Wert auf Gestaltungsmöglichkeiten des erzeugten Ausgabedokuments legen:
> Inhaltsverzeichnis – Kann ich ein Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln erstellen?
> Layout – Haben ich Einfluss auf das Layout des Ausgabedokuments?
> Kommentare – Lassen sich dem Dokument Bemerkungen für eine bessere Kommunikation im Team hinzufügen?
> Änderungsmanagement – Werden Änderungen an einzelnen Positionen oder dem Gesamtmodell direkt in das Statikdokument übernommen?
> Dateiupload – Kann ich Dateien, die außerhalb der Statiksoftware erzeugt wurden (z.B. PDF, Excel, Fotos), in das Ausgabedokument einbinden?
V. Interoperabilität & BIM-Kompatibilität
Interoperabilität beschreibt die Fähigkeit einer Software, mit anderen Softwaresystemen zu interagieren und Informationen in Form von Daten auszutauschen. Eine Statiksoftware mit einem hohen Grad an Interoperabilität ist BIM-kompatibel, was dazu führt, dass Redundanzen abgebaut und Fehlerquellen minimiert werden. Außerdem wird eine ganzheitliche Sicht auf Daten erreicht.
Achten Sie bei der Bewertung der Interoperabilität auf folgende Aspekte:
> Offene Standards – Stellen Sie sicher, dass die Statiksoftware BIM-kompatibel ist und so den bidirektionalen Austausch von standardisierten Gebäudemodelldaten mit anderen am Bauprojekt beteiligten Softwarelösungen, insbesondere CAD- und BIM-Programmen, unterstützt. Zu den offenen Dateiaustauschformaten, die eine Statiksoftware importieren und exportieren können sollte, gehören insbesondere IFC, SAF und DWG.
> Direkte Integrationen – Finden Sie heraus, zu welchen CAD-, BIM- oder anderen Statiklösungen die von Ihnen untersuchte Statiksoftware direkte Schnittstellen hat. Softwareanwendungen, die sich gegenseitig direkt ansteuern können, ermöglichen den nahtlosen Austausch von Geometrien, Materialien, Lasten und Bemessungsergebnissen, ohne dass Dateien extra erzeugt und eingelesen werden müssen.
> Integration physischer Produkte – Prüfen Sie auch, ob eine Statiksoftware nützliche Integrationen physischer Einbauteile von Drittanbietern (z.B. Tafelanker, Wärmedämmelemente, Trittschalldämmelemente) oder spezielle Materialien (z.B. STEICO, Kerto) für deren direkte Berechnung und Bemessung anbietet.
VI. Benutzerfreundlichkeit
Für User:innen ist die einfache und intuitive Bedienung ein wichtiges Entscheidungskriterium für die richtige Statiksoftware. Eine logisch aufgebaute, gut aufgeräumte Programmoberfläche mit sinnvoller Menüführung ermöglicht Anwender:innen eine effiziente und angenehme Arbeitsweise – von der Eingabe bis zur Dokumentation der Ergebnisse.
Stellen Sie sich im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit folgende Frage:
> Grafische Eingabe – Kann ich Positionen, Systeme und Modelle mit allen relevanten Parametern grafisch interaktiv eingeben?
> Anpassbarkeit & Individualisierung – Kann ich den Aufbau der Programmoberfläche (z.B. Konfiguration der Symbolleisten) an individuelle Bedürfnisse oder projektbezogene Anforderungen anpassen? Kann ich Shortcuts nach meinen eigenen Bedürfnissen konfigurieren?
> Vorlagen – Bietet mir die Software Vorlagen oder Assistenten für typische Arbeitsabläufe und wiederkehrende Aufgaben, die die Eingabe von Positionen oder das Erstellen von Modellen beschleunigen? Kann ich eigene Vorlagen erstellen und zur Wiederverwendung speichern?
> Auffindbarkeit – Sind die wichtigsten Funktionen und Werkzeuge leicht auffindbar und eindeutig beschriftet? Verfügt die Software über eine Suchleiste, um bestimme Funktionen und Tools schneller zu finden?
> Standardisierung – Basiert die Bedienung der Software auf weit verbreiteten Regeln für die Tastatur- und Mausbedienung?
> Hilfesystem – Verfügt die Software über ein umfassendes, leicht zugängliches Hilfesystem – etwa in Form von Tooltips, kontextsensitiven Hinweisen, automatischer Fehlererkennung und -meldung, Plausibilitätsprüfungen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder integrierten Tutorials?
Eine intuitive und übersichtliche Benutzeroberfläche hilft auch bei der anfänglichen Implementierung der Software in Ihrem Unternehmen oder beim Onboarding von künftigen Mitarbeitenden, denn Sie trägt zu einer kürzeren Einarbeitungszeit bei. Je weniger Zeit Sie darauf verwenden müssen, Ihr Team mit der Software vertraut zu machen, desto schneller können Sie erste Projekte und Aufträge umsetzen.
VII. Support und Schulungsangebote
Gerade bei hochspezialisierter Software wie der zur Berechnung und Bemessung von Tragwerken kommt es neben dem Funktionsumfang der Software auch auf einen fachkundigen, technischen Support sowie das Schulungsangebot an. Finden Sie schnell eine zufriedenstellende Lösung für Ihr Anliegen, werden Sie nicht lange aufgehalten und können dem Zeitdruck des Projekts standhalten.
Stellen Sie sich bei der Bewertung des Angebots also folgende Fragen:
> Lokale Ansprechpartner – Bietet das Softwareunternehmen einen lokalen Kundensupport an, dessen Supportingenieure Ihnen bei Fragen und Anliegen zur Software kostenfrei, kompetent und professionell zur Seite stehen?
> Erreichbarkeit – Wie zuverlässig ist der technische Kundensupport erreichbar und wie lange dauert es durchschnittlich von der Supportanfrage bis zur Lösung Ihres Anliegens? Auf welche Arten macht das Unternehmen den Support zugänglich (z.B. Telefon, E-Mail, Chat)?
> Schulungsangebot – Verfügt der Softwareanbieter über ein umfangreiches, auf die Anliegen der Anwender:innen zugeschnittenes Schulungsangebot, mit dem sowohl Neulinge als auch erfahrene Nutzer:innen regelmäßig adressiert werden?
> Individuelles Lerntempo – Macht der Softwareunternehmen Schulungsressourcen wie Handbücher, E-Learning, Tutorials, ein Help Center und Foren verfügbar, die ein Erlernen der Software in Eigeninitiative und Selbststudium ermöglichen?
Genau wie eine benutzerfreundliche Programmoberfläche unterstützt Sie auch das Support- und Schulungsangebot des Unternehmens dabei, eine neue Software möglichst zügig zu implementieren. Je eher ihr Team befähigt wird, das Maximum aus der Statiksoftware herauszuholen, desto schneller zahlt sich Ihr Investment aus.
Fazit
Die Kriterien zur Bewertung von Software sind äußerst vielschichtig. Neben dem Preis, dem Umfang der Funktionen und der Anzahl der implementierten Normen, sollten Sie auch weniger quantifizierbare, weiche Faktoren wie das Support- und Schulungsangebot des Softwareanbieters in Ihre Entscheidung einfließen lassen. Zur Realität gehört aber auch: eine Statiksoftware, die sämtliche Kriterien vollumfänglich erfüllt, werden Sie vermutlich nur schwer finden. Gewichten und priorisieren Sie deshalb die Kriterien nach Ihren Präferenzen. Und seinen Sie offen für die Option, mehr als eine Softwarelösung für Ihr Büro anzuschaffen, um beispielsweise die die Vorteile von bauteilorientierter Statik und Statik am 3D-Modell zu kombinieren.




