KI, BIM, Nachhaltigkeit und Co. – was im Bauwesen jetzt (und in Zukunft) wichtig ist

Lesedauer 6 min.

Der ALLPLAN Trend Report „Die neue Bauwelt“ zeigt auf, worauf es im Bauwesen heute und morgen ankommt. Vor allem an KI und BIM führt kein Weg vorbei.

In aller Kürze:

> KI und BIM werden zu den zentralen Grundlagen für effiziente, durchgängig digitale Planungs- und Bauprozesse.

> Nachhaltigkeit ist durch regulatorische Vorgaben unverzichtbar und muss bereits frühzeitig in die Planung einfließen.

> KI reduziert BIM-Hürden, strukturiert Daten automatisch und ermöglicht schnelle Entwurfsvarianten sowie fundiertere Entscheidungen.

> Digitale Zwillinge, Automatisierung und Robotik steigern Effizienz und schaffen Mehrwert über den gesamten Gebäudelebenszyklus.

> Die Stadt und Bauwelt der Zukunft erfordern das Zusammenspiel von KI, BIM, Nachhaltigkeit und integrierten digitalen Workflows.


Wenn wir das heutige Bauwesen mit dem von vor zehn Jahren vergleichen, lassen sich einige erhebliche Veränderungen feststellen. Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit waren schon damals präsent und wichtig. Heutzutage jedoch sind sie völlig unerlässlich für eine erfolgreiche, wirtschaftliche Projektabwicklung. Ein Thema, das heute alle anderen Trends berührt, war wiederum im letzten Jahrzehnt noch weitgehend ein bloßer Forschungsgegenstand mit unbekanntem Potenzial: KI. Inzwischen definiert Künstliche Intelligenz effiziente, digitale Workflows komplett neu. Mit BIM als Datenbasis integriert, vereinfacht und beschleunigt sie die Glieder der digitalen Wertschöpfungskette und befähigt zugleich jene zur Teilhabe, die zuvor noch Aufwand und Anforderungen scheuten. Im aktuellen „Trend Report“ nimmt ALLPLAN diese neue Bauwelt genauer unter die Lupe.

Nachhaltigkeit: Zu besserem Bauen verpflichtet

Während die Nachhaltigkeit von Bauwerken vor wenigen Jahren noch eine bloße Option für ein besseres Gewissen war, ist sie mittlerweile durch regulatorische Rahmenbedingungen wie die CSRD und EU-Taxonomie verpflichtend. Und das völlig zu Recht: Mehr als ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen entfällt auf die Baubranche. In Europa ist das Bauwesen zudem für die Hälfte des gesamten Materialverbrauchs verantwortlich. Lebenszyklusanalysen gehören daher bereits in den frühesten Planungsphasen zur Pflicht. Die Nachhaltigkeitsplanung in Bauprojekten adressiert dabei sechs zentrale Bereiche:

> Kreislaufwirtschaft: Schadstofffreie Materialien, nachwachsende Rohstoffe, kreislauffähige Konstruktionen, CO₂-Speicherung.

> Integration erneuerbarer Energien: 100 Prozent erneuerbare Versorgung, Eigenerzeugung vor Ort (Photovoltaik, Geothermie).

> Wassersysteme und Ressourceneffizienz: Regen-, Grau- und Gelbwassernutzung, Einbindung grüner Infrastruktur in den Wasserkreislauf.

> Biodiversität und grüne Infrastruktur: CO₂-Bindungspotenzial, Artenvielfalt, Verbesserung des lokalen Mikroklimas.

> Nachhaltige Mobilität: Nachhaltige Mobilitätskonzepte, Reduzierung von Stellplätzen zugunsten von Grün- und Gemeinschaftsflächen.

> Sozialer Impact und Lebensqualität: Bezahlbarer Wohnraum, soziale Vielfalt, Gesundheit, demografische Durchmischung.

BIM: Rückgrat des datengetriebenen Planungsprozesses

Wenn wir von einer durchgängig digitalen Planung sprechen, kommen wir an Building Information Modeling (BIM) nicht vorbei. Die modellbasierte Strukturierung von Daten bildet heute das unverzichtbare Rückgrat für einen modernen, datengetriebenen Planungsprozess – und damit für dessen gesamte Wertschöpfungskette. Dies umfasst die bereits erwähnten Lebenszyklusanalysen und andere Simulationen genauso wie intelligente Automatisierung, Kollisionskontrollen, File2Factory und vieles mehr.

KI und BIM: Beseitigung von Hürden

Vor nicht allzu langer Zeit standen dem BIM-basierten Arbeiten – insbesondere in kleineren Büros – häufig noch strukturelle Hürden wie unstrukturierte Bestandsdaten, fehlende Qualifikationen oder Ressourcen, hoher Aufwand oder Interoperabilitätslücken zwischen Tools und Standards im Weg. Diese werden nun durch KI beseitigt. So lassen sich etwa mittels Text2BIM strukturierte Modelle leicht aus natürlichsprachlichen Eingaben generieren. KI-gestütztes semantisches Mapping wandelt wiederum unstrukturierte Daten aus PDFs, Excel-Tabellen, 2D-Zeichnungen oder CAD-Daten in strukturierte Modelldaten um. Mithilfe von generativem Design können zudem innerhalb von Minuten Hunderte von Entwurfsvarianten nach unterschiedlichen Kriterien wie Energieeffizienz, Materialverbrauch oder Kosten erstellt werden.

ALLPLAN und sein Ökosystem bieten bereits diverse KI-Tools, die Planer:innen zu mehr Entwurfsfreiheit und belastbareren Entscheidungsgrundlagen verhelfen. Dazu gehört etwa der AI Visualizer, mit dessen Hilfe sich direkt aus dem Modell heraus unterschiedlichste hochwertige Visualisierungen erzeugen oder Sanierungsszenarien aus Bestandsfotos entwickeln lassen. OneClickLCA – ein weiteres leistungsstarkes Tool – erstellt mittels KI auf Knopfdruck aus allen relevanten, fachübergreifenden Modelldaten vollständige Lebenszyklusanalysen mit belastbaren Umweltkennwerten.

Digitaler Zwilling: Bleibender Mehrwert für den gesamten Gebäudelebenszyklus

Einer der wichtigsten Mehrwerte BIM-basierter Planung ist der digitale Zwilling. Durch kontinuierliche Pflege lässt sich das BIM-Modell weit über die Bauphase hinaus nutzen: zur Wartung, Energieoptimierung in Echtzeit, zum Abruf von Leistungsdaten (ESG-Reporting) oder auch als Entscheidungsgrundlage für Sanierungsarbeiten, Umnutzungen oder die allgemeine Lebenszyklusplanung.

Automatisierung und Robotik: Maschinelle Effizienz im Bau

BIM und KI liefern zugleich durchgängige Daten und schaffen weniger Medienbrüche für automatisierte Bauprozesse und Robotik – Bereiche, die effiziente Bauprojekte zunehmend prägen. Industrielle Fertigung von Bauteilen erhöht die Planungssicherheit maßgeblich und verringert Bauzeiten um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu konventionellen Bauweisen. Neben Fertigteilwerken kommen Roboter derweil auch immer mehr auf der Baustelle zum Einsatz. Automatisierte Markierungssysteme etwa zeichnen Tausende Quadratmeter an Grundrisslinien pro Tag mit einer Präzision auf, die manuell unmöglich erreicht werden kann. Auf Großbaustellen lassen sich damit – neben jeder Menge Zeit – mitunter Kosten in Millionenhöhe einsparen.

Stadt der Zukunft: Wo alle Trends zusammenfließen

Rasantes Bevölkerungswachstum und fortschreitende Urbanisierung stellen das Bauwesen vor die schwierige Aufgabe, die Stadt der Zukunft zu bauen. Dabei gilt es lokale Faktoren wie Klima, Materialien und kulturellen Kontext zu berücksichtigen, ohne an Effizienz zu verlieren. Dies erfordert ein Zusammenspiel von KI-gestütztem, parametrischem Design, Nachhaltigkeitsplanung sowie integrierten Planungs- und Produktions-Workflows – mit BIM als Datenbasis.

Die neue Bauwelt beginnt jetzt

Die neue Bauwelt beginnt jetzt. Architekt:innen und Ingenieur:innen müssen sich ihr stellen, indem sie sich durchgängig digitale, BIM- und KI-basierte Workflows zu eigen machen. Ein Verzicht auf KI und Co. ist hingegen wie ein Gebäude ohne Nachhaltigkeitsplanung: nicht zukunftsfähig – und damit keine Option.

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