Wir stellen vor: Jad El Alam – Ingenieurkompetenz im Zentrum der Produktentwicklung bei ALLPLAN

Lesedauer 11 min.

Welche Rolle spielt ingenieurtechnisches Denken in der Softwareentwicklung? Jad El Alam gibt Einblicke in Produktstrategie und die Weiterentwicklung integrierter Arbeitsabläufe bei ALLPLAN.

In aller Kürze:

> Im Interview gibt Jad El Alam Einblicke in seinen Werdegang vom Bauingenieur und Tragwerksplaner zum Vice President Product bei ALLPLAN – und wie dies seine Strategie prägt.

> Er betont, dass gute Engineering-Software Ingenieur:innen dabei helfen soll, fundierte Entscheidungen im gesamten Planungs- und Bauprozess zu treffen.

> Seine Strategie bei ALLPLAN fokussiert sich auf integrierte Lösungen, die durchgängige Workflows ermöglichen und Datensilos aufbrechen.

> Künstliche Intelligenz sieht er als unterstützendes Werkzeug zur Steigerung von Effizienz und Produktivität, nicht als Ersatz für Fachkräfte.

> Sein Ziel bei ALLPLAN ist es, praxisnahe, zuverlässige Tools bereitzustellen, die Ingenieur:innen helfen, komplexe Projekte qualitativ hochwertig umzusetzen.


Herausragende AEC-Software entsteht nicht durch Technologie allein, sondern vor allem durch ein tiefgehendes Verständnis dafür, wie Architekt:innen und Ingenieur:innen sowie Fachkräfte aus Fertigung und Bauausführung arbeiten – welche Entscheidungen sie treffen, mit welchen Herausforderungen sie sich konfrontiert sehen und welche Verantwortung damit einhergeht, Entwürfe in die gebaute Realität zu überführen.

Genau diese Perspektive prägt den Ansatz von Jad El Alam in seiner neuen Rolle als Vice President Product bei ALLPLAN. In diesem Interview sprechen wir mit ihm über seinen Weg vom Ingenieurwesen in die Produktführung, über die Erfahrungen, die seine Sichtweise geprägt haben, und darüber, wie er die zukünftige Entwicklung des Produktökosystems von ALLPLAN einschätzt.

Zunächst einmal, Jad, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Position als Vice President Product bei ALLPLAN. Könnten Sie uns einen kurzen Einblick in die Anfänge Ihres beruflichen Werdegangs geben?

Vielen Dank! Nach meinem Abschluss in Bauingenieurwesen habe ich mich im Rahmen eines Masterstudiums auf Stahlbeton- und Spannbetonbau spezialisiert. Ich habe meine Laufbahn als Tragwerksplaner begonnen und weltweit an Projekten gearbeitet, wodurch ich früh Einblicke in die praktischen Anforderungen bei der Realisierung komplexer Bauwerke gewinnen konnte.

Eine besonders prägende Erfahrung habe ich auf der Ausführungsseite bei einem Bauunternehmen gesammelt, das an einem der größten Flughafenprojekte im Nahen Osten beteiligt war. Die Nähe zur Baustelle hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass Ingenieur:innen mit Werkzeugen arbeiten, die nicht nur technisch präzise sind, sondern sich auch effizient anwenden lassen.

Diese Erfahrung prägt meine Sicht auf das Ingenieurwesen bis heute. Ich habe dabei gelernt, dass gute Planung nur selten auf idealisierten Modellen allein beruht – entscheidend ist, unter realen Projektbedingungen fundierte Entscheidungen zu treffen. Diese Praxisnähe hat mich durch meine gesamte Laufbahn begleitet und beeinflusst nachhaltig, wie ich an Produktentwicklung und Führungsaufgaben herangehe.

Was hat Sie von der Tragwerksplanung in den Softwarebereich und schließlich in die Produktführung für AEC-Software geführt?

Das Ingenieurwesen war von klein auf Teil meines Umfelds. Mein Vater war Bauingenieur, und ich habe mich schon als Kind sowohl für Baustellen als auch für den Planungsprozess begeistert. Die Zeit in seinem Büro und die Gespräche mit Konstrukteur:innen, denen ich beiwohnen durfte, haben mein Interesse daran geweckt, wie ingenieurtechnische Entscheidungen unsere gebaute Umwelt formen.

Am Ende bin ich in die Fußstapfen meines Vaters getreten. Mit der Zeit habe ich mich in meiner eigenen Laufbahn aber auch zunehmend für die Werkzeuge interessiert, auf die Ingenieur:innen angewiesen sind. Ich habe mich oft hin- und hergerissen gefühlt zwischen der praktischen Tragwerksplanung und den technischen Möglichkeiten von Software. Letztlich habe ich erkannt, dass ich durch die Arbeit an Engineering-Software dazu beitragen kann, die Art und Weise zu verbessern, wie Ingenieur:innen Projekte entwerfen, analysieren und umsetzen.

Wenn Engineering-Software gut gemacht ist, unterstützt sie Ingenieur:innen dabei, verschiedene Optionen zu untersuchen, Auswirkungen besser zu verstehen und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Der Wechsel in den Softwarebereich – und später in die Produktführung für AEC-Software – hat es mir ermöglicht, nah an den ingenieurtechnischen Herausforderungen zu bleiben und gleichzeitig auf einer breiteren Ebene einen Beitrag zu leisten.

Sie hatten bei SCIA mehrere Führungspositionen inne. Wie haben diese Erfahrungen Ihre Herangehensweise an die Produktstrategie geprägt?

Ich bin zunächst als Berater bei SCIA eingestiegen und habe eng mit Kund:innen in den Bereichen Support, Schulung und Pre-Sales zusammengearbeitet. Diese frühen Erfahrungen haben mir ein unmittelbares Verständnis für die Herausforderungen vermittelt, mit denen Ingenieur:innen in der Praxis konfrontiert sind, und für die Erwartungen, die sie an ihre Software stellen, – was mir sehr dabei geholfen hat, sie besser zu unterstützen. Im Laufe der Zeit habe ich dann weitere Führungsverantwortung übernommen, unter anderem für den globalen Support, wodurch sich meine Verbindung zu unserer Anwendergemeinschaft weiter vertieft hat.

Ein Executive MBA später in meiner Laufbahn hat mein Interesse an der strategischen Dimension der Produktentwicklung weiter gestärkt. Mir wurde dabei klar, dass die Entwicklung wirklich relevanter Engineering-Lösungen nicht nur technisches Know-how erfordert, sondern auch ein strukturiertes Verständnis dafür, wie Produkte über verschiedene Märkte und Workflows hinweg Mehrwert schaffen.

Diese Erfahrungen haben meinen heutigen Blick auf die Produktstrategie geprägt und leiten bis heute meine Arbeit bei ALLPLAN – mit dem Ziel, integrierte Lösungen bereitzustellen, die Ingenieur:innen entlang des gesamten Design-to-Build-Prozesses unterstützen.

Was hat Sie dazu motiviert, gerade jetzt die Rolle des Vice President Product bei ALLPLAN zu übernehmen?

Im Laufe der Zeit haben sich meine Verantwortlichkeiten über einzelne Produkte hinaus auf das gesamte Engineering-Portfolio ausgeweitet, sodass sich diese Rolle als logischer nächster Schritt ergeben hat. Besonders reizvoll war für mich die Möglichkeit, Projekte ganzheitlich zu betrachten – von der ersten Konzeptphase über die detaillierte Analyse, Planung und Ausarbeitung bis hin zur Bauausführung.

Heute bedeutet das, über das gesamte Portfolio von ALLPLAN hinweg zu arbeiten – einschließlich SCIA und FRILO –, um sicherzustellen, dass sich unsere Lösungen auf integrierte Weise weiterentwickeln und reale Arbeitsabläufe unterstützen, statt isolierte Einzelschritte. Architekt:innen, Ingenieur:innen und Fachkräfte in der Bauausführung sind darauf angewiesen, dass Daten und fachliche Zusammenhänge über den gesamten Projektverlauf hinweg konsistent bleiben. Mein Fokus liegt darauf, die Zusammenarbeit unserer Technologien so zu stärken, dass genau das gewährleistet wird.

Für mich geht es in dieser Rolle darum, eine einheitliche Produktvision mitzugestalten, die unsere Kund:innen nicht nur in einzelnen Projektphasen unterstützt, sondern über den gesamten Design-to-Build-Prozess hinweg.

Wie sieht Ihre Vision für SCIA und ALLPLAN als neuer Product Lead aus?

Ingenieur:innen benötigen Werkzeuge, die sowohl fachlich präzise als auch gut integriert sind. Die Software sollte daher dazu beitragen, traditionelle Silos aufzubrechen und Arbeitsabläufe zu ermöglichen, in denen Analyse, Planung, Detailplanung und ausführungsrelevantes Wissen zusammenwirken, um eine bessere Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Innerhalb von ALLPLAN bedeutet das, unsere Lösungen als Teil eines integrierten Ökosystems weiterzuentwickeln, das die Produktivität steigert und gleichzeitig höchste ingenieurtechnische Standards gewährleistet. Unser Ziel ist es, den Wechsel zwischen verschiedenen Fachdisziplinen zu erleichtern, ohne dass Intention, Kontext oder Datenqualität verloren gehen.

Ebenso sollte die Tragwerksplanung nicht losgelöst vom übergeordneten BIM-Prozess betrachtet werden. Stattdessen sollte sie sich nahtlos darin einfügen, in jeder Phase des Projektverlaufs relevante Informationen beitragen und Teams dabei unterstützen, effizientere, ausführbare und verlässlichere Ergebnisse zu erzielen.

Künstliche Intelligenz wird in der AEC-Branche immer wichtiger. Wie sehen Sie den Einfluss von KI auf die Zukunft von Engineering-Software und Arbeitsabläufen?

KI wird in einer Branche, die historisch eher langsamer digitalisiert wurde, eine transformative Rolle spielen. Mit zunehmender Projektkomplexität und einer weltweit steigenden Nachfrage nach Ingenieur:innen bietet KI die Möglichkeit, die Produktivität auf sinnvolle und verantwortungsvolle Weise zu unterstützen.

Wichtig ist, dass KI Ingenieur:innen nicht ersetzt, sondern ihre Fähigkeiten erweitert. Viele manuelle oder repetitive Aufgaben, die bislang viel Zeit und Aufwand erfordert haben, können zunehmend automatisiert oder beschleunigt werden. Dadurch können sich Ingenieur:innen stärker auf ihre eigentliche fachliche Beurteilung, die Qualität der Planung und die Lösung komplexer Probleme konzentrieren, anstatt auf Routineprozesse.

Bei ALLPLAN liegt unser Fokus darauf, KI so einzusetzen, dass sie praxisnah, zuverlässig und an realen ingenieurtechnischen Arbeitsabläufen ausgerichtet ist. Ziel ist nicht Technologie um ihrer selbst willen, sondern Fachleute dabei zu unterstützen, bessere Ergebnisse effizienter zu erzielen – bei voller Kontrolle über ihre Entscheidungen.

Wie beeinflusst Ihr technischer Hintergrund als Ingenieur Ihre Produktentscheidungen?

Ein ingenieurtechnischer Hintergrund bringt eine gesunde Portion Skepsis mit sich – im positiven Sinne. Ich frage mich häufig, ob eine Funktion Architekt:innen oder Ingenieur:innen tatsächlich dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen, oder ob sie lediglich eine zusätzliche Abstraktionsebene schafft. Diese Perspektive hilft dabei, Produktdiskussionen nah an realen Anwendungsfällen zu halten, anstatt sich in theoretischen Möglichkeiten zu verlieren.

Das Ingenieurwesen lehrt uns außerdem, systemisch zu denken. Planungsentscheidungen stehen selten für sich allein. Das gilt auch für Software. Entscheidungen in der Analyse wirken sich auf die Detailplanung, die Bauablaufplanung und letztlich auf die Ausführung auf der Baustelle aus. Diese Zusammenhänge im Blick zu behalten, ist entscheidend für die Ausrichtung der Produktentwicklung.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der ALLPLAN-Produkte mit Blick auf die Nemetschek Design Division als Ganzes?

Besonders reizvoll an der Nemetschek Design Division ist die Möglichkeit, den gesamten Lebenszyklus vom Entwurf bis zur Bauausführung zu unterstützen, ohne eine einzige, starre Arbeitsweise vorzuschreiben. Jede Disziplin hat ihre eigenen Prioritäten, aber alle sind auf konsistente, verlässliche Daten und zunehmend intelligente Arbeitsabläufe angewiesen.

Für ALLPLAN bedeutet das, die Verbindung zwischen Planung, Berechnung, Detailplanung und Bauausführung weiter zu stärken – insbesondere im Hinblick auf Vorfertigung und Baubarkeit. Ingenieur:innen spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Entwurfsintention in etwas zu überführen, das tatsächlich gefertigt und gebaut werden kann. Unsere Werkzeuge sollten sie dabei klar und effizient unterstützen.

Mit Blick auf die Zukunft sehe ich eine wachsende Bedeutung von Vernetzung, Interoperabilität und dem verantwortungsvollen Einsatz von KI zur Unterstützung von Entscheidungsfindung und Produktivität. Richtig eingesetzt kann KI Teams dabei helfen, Komplexität zu bewältigen, Routineprozesse zu automatisieren und Fachleuten mehr Raum für wertschöpfende ingenieurtechnische Aufgaben zu geben.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was machen Sie gern, wenn Sie nicht gerade an ALLPLAN-Produkten arbeiten?

Zeit mit meiner Familie zu verbringen – einschließlich meiner beiden wunderbaren Töchter – und bewusst Abstand von Bildschirmen zu nehmen, ist mir sehr wichtig. Ich genieße Aktivitäten, die mir helfen, den Kopf frei zu bekommen, sei es draußen in der Natur, auf Reisen, wenn es sich ergibt, oder einfach, indem ich mich für eine Weile vom Problemlösen löse.

Auch das Leben in Paris bietet täglich Inspiration durch einige der bedeutendsten ingenieurtechnischen Errungenschaften der Welt. Bauwerke wie der Eiffelturm aus nächster Nähe zu erleben ist für mich eine ständige Erinnerung daran, welchen Einfluss durchdachte Planung haben kann.

Gibt es zum Abschluss noch eine Botschaft, die Sie den ALLPLAN-Kund:innen mitgeben möchten?

Meine Botschaft ist simpel: Das Ingenieurwesen steht nach wie vor im Mittelpunkt unserer Arbeit. Die Herausforderungen für die gebaute Umwelt werden immer komplexer, und Ingenieur:innen spielen eine zentrale Rolle bei ihrer Bewältigung – durch bessere Planung, eine intelligentere Datennutzung und den verantwortungsvollen Einsatz von KI zur Unterstützung von Produktivität und fundierter Entscheidungsfindung.

Unser Fokus liegt darauf, diese Verantwortung mit Lösungen zu unterstützen, die zuverlässig, gut integriert und in der Praxis wirklich nützlich sind. Indem wir das Zusammenspiel unserer Technologien im gesamten ALLPLAN-Ökosystem weiter stärken, wollen wir dazu beitragen, dass Fachleute weniger Zeit für repetitive Prozesse aufwenden müssen und mehr Zeit haben, ihre ingenieurtechnische Expertise dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schafft.

Ich freue mich auf die Richtung, die wir einschlagen, und darauf, weiterhin eng mit unseren Anwender:innen zusammenzuarbeiten, um Lösungen zu entwickeln, die ihnen helfen, qualitativ hochwertige und ausführbare Projekte sicher umzusetzen.

 

Vielen Dank, Jad, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Ihre Perspektive mit uns zu teilen. Mit ingenieurtechnischer Expertise und praxisorientiertem Denken im Zentrum der Produktführung liegt die Zukunft von ALLPLAN in sehr guten Händen.