Generalsanierung Ziemssenbau München: BIM im Bestand

Reading time 9 min

Bei der Generalsanierung des Ziemssenbaus am LMU Klinikum fließen Denkmalschutz und moderne Kliniknutzung ineinander. Die Planung des sensiblen Projekts erfolgt mit BIM.

In aller Kürze:

> Der Ziemssenbau am LMU Klinikum soll im Rahmen einer Generalsanierung unter Einhaltung des Denkmalschutzes in eine moderne Kliniknutzung integriert werden.

> Das Projekt wird nach Vorgabe des Staatlichen Bauamts München 2 mit BIM durchgeführt.

> Der Entwurf von abk sieht eine Bewahrung historischer Strukturen vor, während frühere Krankensäle zugleich in neu organisierte Funktionsbereiche umgewandelt werden.

> Die Planung erfolgt auf Basis einer Punktwolke des Bestands, deren vorbearbeitete Daten über Scalypso zur Bestandsmodellierung nach ALLPLAN überführt werden.

> Nach Abschluss der Bauarbeiten soll ein Digitaler Zwilling des Gebäudes dem künftigen Gebäudebetrieb dienen.


Dass BIM die Planungsqualität maßgeblich verbessert, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Dass die Vorteile der BIM-Methode insbesondere beim Bauen im Bestand zum Tragen kommen, vielleicht nicht unbedingt. So beseitigt die Bestandsmodellierung bei Sanierungen und Umbauten etwa Unsicherheiten, die das üblicherweise lückenhafte bestehende Planmaterial mit sich bringt. Ferner lassen sich Konflikte zwischen Bestandsbauwerken und geplanten Baumaßnahmen mithilfe von 3D-Modellen frühzeitig erkennen und beheben. All das und mehr sind Gründe, weshalb das Staatliche Bauamt München 2 bei der Generalsanierung des zum LMU Klinikum gehörigen Ziemssenbaus auf BIM setzt. Der historische Gesundheitsbau soll in den kommenden Jahren unter Berücksichtigung denkmalrechtlicher Gesichtspunkte in eine moderne Kliniknutzung integriert werden.

Unter den insgesamt 22 Bayerischen Staatlichen Bauämtern zeichnet das Staatliche Bauamt München 2 für Baumaßnahmen an sämtlichen staatlichen Universitäten und Hochschulen sowie den angeschlossenen Universitätsklinika in München verantwortlich. Daneben verantwortet das Amt die bauliche Betreuung des Bayerischen Landtags, hochschulnaher Institutionen, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Deutschen Herzzentrums München. Als Teil des Klinikums der Ludwig Maximilian Universität München fällt auch der Ziemssenbau in den Zuständigkeitsbereich des Bauamts.

Denkmalschutz und moderne Nutzung zusammengeführt

Der Ziemssenbau wurde zwischen 1809 und 1813 als allgemeines Krankenhaus erbaut. Im Laufe der Zeit sah das hochwertige Baudenkmal zahlreiche Umbauten sowie diverse Kriegsschäden, die mittlerweile erhebliche bauliche und strukturelle Mängel nach sich ziehen. Letztere gilt es nun im Rahmen einer Generalsanierung zu beseitigen. Als Bezugszeitrum für die Planung der Sanierungsmaßnahmen dient die Bauzeit um 1900. Im Zuge der Sanierung sollen zugleich weitere Einrichtungen zur Ergänzung der medizinischen Versorgung des Klinikareals geschaffen werden.

Die Umsetzung der Baumaßnahmen erfolgt nach einem Entwurf von abk (architekturbüro koch gmbh). Dieser sieht einen Erhalt der ursprünglichen Strukturen des Ziemssenbaus insbesondere in Form des übergeordneten Erschließungskonzepts vor. Historisch bedeutende Räume bleiben erhalten und werden teilweise neuen Nutzungen zugeführt. Gleichzeitig sind Umstrukturierungen im Bereich der früheren Krankensäle vorgesehen. So wird etwa ein Cluster aus vier großen Krankensälen für die Nutzung durch eine zusätzliche Funktionsstelle zusammengefasst, neu strukturiert und mit einer internen Erschließung versehen.

Herausforderungen des Denkmalschutzes

Die sehr heterogene Bestandsstruktur und die umfangreichen Baumaßnahmen machen eine enge Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) unumgänglich. Zusätzlich stellen die verschiedenen technischen Anforderungen wie etwa an Brandschutz, Hygiene und Bauphysik die Planer:innen immer wieder vor große Herausforderungen. So gilt es, allen Akteuren gerecht zu werden, ohne den Denkmalschutz aus den Augen zu verlieren.

Bestandsmodellierung in ALLPLAN

Planungsgrundlage für diese sensible Aufgabe bilden Laserscans des Bestandsgebäudes. Abk verarbeitete zunächst die Punktwolke in Scalypso und überführte die Ergebnisse anschließend über die integrierte Schnittstelle nach ALLPLAN. Da die besonderen Geometrien des Gebäudes eine Modellierung mit Standardbauteilen nicht vollumfänglich zulassen, wurden diese vielfach nach Entnahme der korrekten Maße aus der Punktwolke per Hand modelliert. Zusammen mit zusätzlichen Informationen aus den Bestandsplänen erzeugten die Architekt:innen so ein Bestandsmodell. Dieses diente wiederum der Entwurfsentwicklung sowie der vorgezogenen Trassenplanung. Danach wurde das Modell in wöchentlichen Arbeitssitzungen sowie mittels regelmäßiger Datadrops teamübergreifend bis zur Ausführungsreife weiterentwickelt, wobei Modelldaten parallel in ein digitales Raumbuch übertragen wurden.

BIM-Mehrwerte nutzen: Planungssicherheit und digitaler Zwilling

Oberstes Ziel des BIM-Projekts ist es, die Mehrwerte, die sich aus der BIM-Methodik ergeben, auszuschöpfen und so vor allem eine hohe Planungssicherheit beim Bestandsumbau zu erreichen. Durch die projektübergreifende Modellpflege soll zudem nach Fertigstellung ein finales As-built-Modell erstellt werden. Dieser digitale Zwilling soll schließlich zusammen mit dem Raumbuch als Informationsgrundlage für den späteren Gebäudebetrieb dienen.