Structural BIM Workflow: Connecting Design, Engineering, and Fabrication
Die ROFRA Bau AG zeigt, warum es sich für Bauunternehmen in der Akquise lohnt, ein 3D-Modell gegebenenfalls selbst erstellen zu lassen – statt ohne Modell zu arbeiten.
In aller Kürze: > Die ROFRA Bau AG nutzt standardmäßig 3D-Modelle in der Ausschreibung – insbesondere für die Kalkulation zur Angebotserstellung. > Ist planungsseitig kein Modell vorhanden, lässt das Bauunternehmen extra eines mithilfe von BIMovation erstellen. > Neben der Kalkulation dienen die Modelle unter anderem einer verbesserten Transparenz und unterstützen die Ausführung. > Die Zusatzkosten für die Modellierung zahlen sich für ROFRA Bau aus. |
Die Vorteile von Building Information Modeling (BIM) sind vielfältig und betreffen potentiell sowohl sämtliche Phasen eines Bauprojekts als auch alle Lebenszyklusphasen des jeweiligen Bauwerks. Wenn wir über BIM sprechen, liegt der Fokus jedoch meist eher auf der modellbasierten Planung durch Architekt:innen und Ingenieur:innen. Dabei profitiert jeder Teil des Bauwesens von BIM. Für Bauunternehmen etwa bedeuten 3D-Modelle bereits bei der Kalkulation für die Ausschreibung einen enormen Mehrwert. Tatsächlich ist hier der Nutzen so groß, dass einige Baufirmen sogar eigene Bauwerksmodelle erstellen lassen, wenn seitens der Planung kein Modell vorliegt.
Bei der ROFRA Bau AG ist diese Praxis mittlerweile gang und gäbe. Das 1963 gegründete Familienunternehmen aus Aesch wird inzwischen in der dritten Generation geführt und beschäftigt rund 200 Mitarbeitende. Eine präzise Kostenkalkulation bei Ausschreibungen ist für die Baufirma unerlässlich. Dabei gilt es nicht nur Einheitspreise in Leistungsverzeichnissen zu bestimmen, sondern auch anhand der geschätzten Leistungswerte Chancen und Risiken zu identifizieren. Nicht zuletzt sind die Leistungen häufig in einem Pauschalangebot abzugeben.
Roman Fuchs, Kalkulator bei ROFRA Bau, greift hierfür standardmäßig auf 3D-Modelle zurück: „Im 3D-Modell kann ich die genauen Mengen herausziehen, die Bauabläufe simulieren und daraus den kritischen Weg erkennen.“ Allerdings gibt es nicht automatisch zu jeder Ausschreibung auch ein Modell. Zwar erhält ROFRA häufig ein Architekturmodell – in der Regel jedoch erst nach der Ausschreibungsphase. Tragwerksmodelle sind hingegen eher selten.
Lieber Zusatzkosten für ein Modell als kein Modell
Um dennoch nicht auf die Vorteile eines Bauwerksmodells in der Kalkulation verzichten zu müssen, wendet sich Roman Fuchs gegebenenfalls an die BIMovation AG. Die 2021 unter dem Namen modellierung.ch gegründete Firma unterstützt Ingenieurbüros und Bauunternehmen in allen technischen Belangen rund ums Thema BIM. Gründer und CEO Patrick Meili bringt hierfür eine langjährige Erfahrung aus dem modellbasierten Arbeiten als Ingenieur sowie aus seiner Tätigkeit in der Kundenbetreuung und Entwicklung bei ALLPLAN Schweiz mit.
Ist ein Modell vorhanden, leitet Patrick Meili für ROFRA Bau alle Mengen daraus ab. Gibt es hingegen kein Modell, kümmert sich der BIM-Experte vorher noch um die Modellierung. Natürlich ist damit ein gewisser Arbeitsaufwand verbunden. Nach eigenen Angaben benötigt BIMotivation beispielsweise bei einer Wohnüberbauung mit zwei bis drei Mehrfamilienhäusern und einer Tiefgarage für Modellerstellung und Mengenermittlung circa zwei Tage. ROFRA Bau nimmt die Kosten für diese Dienstleistung gern in Kauf. „In der Ausschreibungsphase wollen wir die Sicherheit haben, dass wir für eine Pauschalisierung unseres Angebots den Preis mit den richtigen Mengen definiert haben“, erklärt Roman Fuchs.
Weitere Vorteile für Bauunternehmen durch 3D-Modelle
Die Massenauszüge werden ROFRA Bau je nach Absprache in Form von Excel-Listen oder spezifischen Auswertungsreports übergeben. Der Zugriff auf das in ALLPLAN generierte Modell erfolgt über die BIM-Plattform BIMPLUS. Daraus ergibt sich für das Bauunternehmen eine zusätzliche Wertschöpfung. „Mit dem Modell schaffen wir sowohl für uns als auch für den Bauherrn eine durchgängige Transparenz“, erzählt Roman Fuchs. Darüber hinaus steht das Modell auch dem Bauleiter in der Arbeitsvorbereitung und Ausführung zur Verfügung. Momentan befinden sich zudem zwei Projekte in der Vorbereitung, die, wenn möglich, erstmalig komplett papierlos „BIM2Field“ umgesetzt werden sollen.
Erfolgreiche Akquisition dank 3D-Modell
Dass sich dieser firmeninterne BIM-Workflow auszahlt, zeigt unter anderem das laufende Projekt SPACE des Chemiekonzerns DSM-Firmenich in Sisseln. Das Mehrzweckgebäude mit Betriebsrestaurant, Schulungsräumen, Konferenzraum sowie einem zentralen Analyselabor wird bis 2028 für eine Auftragssumme von 6,5 Millionen Franken von ROFRA Bau errichtet. Laut Roman Fuchs spielte das büroübliche 3D-Modell in der Akquisition des Auftrags eine wichtige Rolle. „Dank der Modellierung in 3D konnten wir die Bauherrschaft unter anderem mit der visuellen Darstellung der detaillierten Schalungsplanung und dem Erkennen des kritischen Weges von unserer Fachkompetenz für die Bauausführung überzeugen.“




