3 Projekte, die zeigen, warum OPEN BIM immer wichtiger wird

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Drei völlig unterschiedliche Bauvorhaben machen deutlich, weshalb Open BIM klare Vorteile bietet – unabhängig von der Projektgröße.

In aller Kürze:

> Open BIM verbessert die Zusammenarbeit in Bauprojekten jeder Größenordnung und Komplexität.

> Die Reaktivierung der Siemensbahn zeigt den Nutzen offener Workflows in einem umfangreichen Infrastrukturprojekt.

> Beim Stuttgart Cancer Center unterstützte Open BIM die enge Koordination, Qualitätssicherung sowie die Einhaltung von Termin- und Kostenzielen.

> Der Weegturm in Neustadt an der Donau verdeutlicht, dass auch kleinere Projekte von IFC-basiertem Datenaustausch und modellgestützter Vorfertigung profitieren.

> Offene Standards schaffen eine wichtige Grundlage, um Bauwerksdaten langfristig und herstellerunabhängig weiterzuverwenden.


Dass Bauen mit BIM besser ist als ohne, wissen mittlerweile alle, die es schon einmal gemacht haben. Die Vorteile der BIM-Methode beschränken sich dabei längst nicht nur auf das jeweilige Projekt. Die Daten, die in BIM-Projekten entstehen, bleiben optimalerweise auch als wichtiger Mehrwert für den Betrieb und insbesondere zukünftige Bauprojekte im Bestand erhalten. So verbessert sich durch eine möglichst breite Anwendung der BIM-Methode das Bauwesen insgesamt. Grundvoraussetzung für ein annähernd flächendeckendes digitales Bauen in Zukunft ist Open BIM. Die folgenden drei Projekte zeigen, warum herstellerunabhängiges Building Information Modeling immer wichtiger wird – unabhängig von der Größe und Komplexität des jeweiligen Bauvorhabens.

Reaktivierung der Siemensbahn: Mammutprojekt in Berlin

Rund 50 Jahre lang verband die Siemensbahn die Siemensstadt im Osten Spandaus mit dem Berliner Bahnnetz, ehe sie 1980 stillgelegt wurde. Knapp 50 Jahre später soll sie nun wieder reaktiviert werden. Hauptgrund hierfür ist die für 2030 geplante Eröffnung des Siemensstadt Square: Ein riesiger „Smart Campus“, der circa eine Million Quadratmeter neuer Wohn-, Gewerbe- und Produktionsflächen schaffen wird.

Die Reaktivierung der 4,5 Kilometer langen Strecke unterteilt sich in drei Planungsabschnitte und umfasst allein die Sanierung oder den Neubau von 30 Brücken. Die prominenteste davon ist ein 800 Meter langes denkmalgeschütztes Stahlviadukt in Spandau, das sich aus einzelnen Bauwerksketten mit insgesamt 71 Bauwerken zusammensetzt. Jedes davon wurde als Teilmodell in ALLPLAN umgesetzt.

Bei der Planung eines Projekts dieser Größenordnung ist Open BIM heutzutage praktisch unumgänglich. Das verantwortliche Ingenieurbüro KREBS+KIEFER ergriff daher besondere Maßnahmen, um den Open-BIM-Workflow mit den anderen Projektbeteiligten zu verbessern. So ergänzten die Ingenieur:innen etwa Halbkugeln in den Modellen, um nachgeschalteten Prüfinstanzen das Erstellen von Schnitten in IFC-Viewern zu erleichtern. Ein PythonPart zur automatisierten Attribuierung nach SOM 2.1 programmierte KREBS+KIEFER zudem so, dass es automatisch auch eine Mapping-Datei für einen normkonformen IFC-Export generiert.

Für die außergewöhnlichen planerischen Leistungen im Rahmen des Projekts wurde die Ingenieurgemeinschaft Siemensbahn um KREBS+KIEFER 2025 mit dem BIM Champions Award ausgezeichnet.

Stuttgart Cancer Center: Hochkomplexer Klinikbau mit engem Zeitplan

Das Stuttgart Cancer Center (SCC) – Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl – bündelt die hohe krebsmedizinische Expertise des Klinikums Stuttgart in einem einzigen Gebäude. Eine onkologische Tagesklinik, Strahlentherapie und Nuklearmedizin sowie weitere Bereiche der Krebsvorsorge behandeln hier jährlich über 14.000 Krebspatient:innen unter einem Dach.

Die Realisierung des hochkomplexen Gesundheitsbaus mit seinen unterschiedlichen Abteilungen folgte einem engen Zeitplan: In der Bauphase musste alle vier Wochen eines von insgesamt sieben Geschossen fertiggestellt sein. Ohne eine enge Koordination und Kollaboration aller Projektbeteiligten mittels Open BIM wäre dies kaum möglich gewesen. Als Grundlage hierfür diente BIMPLUS.

Über die Cloudlösung wurden nicht nur sämtliche Fachplaner:innen und -modelle angebunden, sondern auch eine Schnittstelle zur Gebäudemanagementlösung Prevera für alle Beteiligten hergestellt. Die Kollaboration der Projektbeteiligten erfolgte via BCF über das Task Board. Das mit der Ausführungsplanung und BIM-Gesamtkoordination betraute Architekturbüro Schmidt Plöcker Architekten nutzte BIMPLUS insbesondere auch zur Qualitätssicherung und Dokumentation, ergänzt durch weitere Qualitätsprüfungen in FRILO. So konnten dank Open BIM letztlich sowohl die knappen Zeitvorgaben als auch der vorgesehene Kostenrahmen eingehalten werden.

Weegturm Neustadt: (Wieder-) Errichtung eines stadthistorischen Denkmals

Das dritte und letzte Projekt ist ein Bauvorhaben von sehr viel kleinerem Maßstab: In Neustadt an der Donau wurde kürzlich ein Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert als zeitgenössische Rekonstruktion „wiederaufgebaut“. Seit 1850 war der einst in die Stadtmauer integrierte „Weegturm“ von einem Wohnhaus einverleibt worden – und damit für die Öffentlichkeit quasi unsichtbar. Beim Rückbau besagten Hauses stieß man schließlich auf Mauerwerksreste des alten Bauwerks. Die Stadt Neustadt beschloss daraufhin, den Turm in seinen ursprünglichen Maßen, jedoch mit modernen Akzenten wiederaufleben zu lassen.

Brückner & Brückner Architekten entwickelten hierzu gemeinsam mit dem Ingenieurbüro KUGLER + KERSCHBAUM eine Hybridkonstruktion aus Beton, Stahl und Holz. Als Planungsgrundlage diente ein BIM-Modell in ALLPLAN. Für die Vorfertigung der Stahl- und Holzbauteile wurde die Ausführungsplanung via IFC-Schnittstelle an die ausführenden Unternehmen übergeben, die darauf aufbauend jeweils ihre Werkplanung erstellten. Letztere ging anschließend zwecks Kollisionskontrolle auf demselben Wege wieder an die Ingenieur:innen zurück. Darüber hinaus wurden Maßkontrolle und Abnahme der Stahlkonstruktion direkt vor Ort mit BIMPLUS durchgeführt. Die Zimmerei nutzte zudem Reports aus ALLPLAN als Abrechnungsgrundlage. In Summe profitierten so alle Projektbeteiligten von Open BIM.

Open BIM als Voraussetzung für zukunftssicherere Bauwerksdaten

Die drei Projekte zeigen deutlich, wie Open BIM sowohl dem Bauvorhaben insgesamt als auch den Projektbeteiligten im Einzelnen zugutekommt. Die dabei verwendeten offenen Standards bieten zugleich die Grundlage für eine Datennutzung, die weit über das eigentliche Projekt hinausgeht: als Voraussetzung dafür, dass Bauwerksdaten auch bei einem Softwarewechsel, über lange Betriebszeiten hinweg und in späteren Umbau- oder Sanierungsphasen herstellerunabhängig weiterverwendet werden können.