In „unmöglicher“ Lage: Low-Cost-Haus in Flüelen

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Mit Entschlossenheit und ausgezeichneter Planung schafft Simić Schaudt Architekten im schweizerischen Flüelen ein kleines Wunder: Ein Low-Cost-Haus in „unmöglicher“ Lage.

In aller Kürze:

> Simić Schaudt Architekten haben in Flüelen ein Low-Cost-Haus in „unmöglicher“ Lage errichtet.

> Das Grundstück galt aufgrund mehrerer Widrigkeiten als nicht überbaubar.

> Kosten wurden unter anderem, durch Holzmodulbauweise minimiert.

> Die Holzmodule wurden zudem in ihrer Rohform belassen.

> Planungsgrundlage bildete ein ALLPLAN-Modell mit sehr hohem Detaillierungsgrad.


In der Schweiz ist Bauland bekanntermaßen rar – und dementsprechend teuer. Dass man mit Kreativität, Know-how und der nötigen Entschlossenheit dennoch in der Alpenrepublik vergleichsweise günstig bauen kann, bewiesen zuletzt Simić Schaudt Architekten mit einem dreigeschossigen Einfamilienhaus in Flüelen. Nach den üblichen Maßstäben hätte das Gebäude in der gegebenen Lage eigentlich nicht existieren dürfen: Das Grundstück galt als nicht überbaubar. Statt dieses Urteil einfach hinzunehmen, nahm das Architekturbüro es vielmehr als Ansporn, das Gegenteil zu beweisen. Dieser trotzige „Mut zum Unmöglichen“ gepaart mit dem richtigen Planungswerkzeug machten sich bezahlt: Das Ergebnis ist nicht nur ein günstiges, sondern auch ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Wohngebäude.

Baubewilligung dank Kommunikation und Kooperation

Warum das Grundstück als nicht überbaubar galt, wird schnell deutlich. Die schmale, langgezogene Parzelle befindet sich in der Kernzone von Flüelen und ist praktisch „umzingelt“ von Faktoren, die einer Bebauung zuwiderlaufen: Talseitig grenzt direkt die Kantonsstraße an, hinter der wiederum unmittelbar eine Bahnlinie der Schweizer Bundesbahn (SBB) verläuft. Unweit dahinter befindet sich der Urnersee, der für einen hohen Grundwasserspiegel sorgt. Bergseitig beginnt sogleich ein Waldgebiet. Dass es den Architekt:innen trotz dieser Widrigkeiten gelang, eine Baubewilligung zu erwirken, ist vor allem ihrer Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft zu verdanken. So führten letztlich intensive Vorab-Gespräche mit den relevanten Fachstellen zum Ziel.

Holzbau in Modulbauweise: roh und fertig

Um sowohl die besonderen lagebedingten Anforderungen als auch den Bauherrnwunsch eines Low-Cost-Hauses erfüllen zu können, waren Architektur und Bauweise entscheidend. Simić Schaudt Architekten entwickelten hierfür einen dreigeschossigen Holzbau in Modulbauweise, der auf einer Bodenplatte aus Stahlbeton gründet. Das sparsame Architekturkonzept sieht dabei vor, dass die Holzmodule im Innern nicht weiterbearbeitet, sondern in ihrem rohen Zustand belassen werden – fabrikfertig gleich bezugsfertig sozusagen.

Im Erdgeschoss des 15,50 Meter langen und 6,50 Meter breiten Hauses befinden sich eine Garage und eine Werkstatt. Das erste Obergeschoss bildet mit einem Studio den Auftakt für eine 3,5-Zimmer-Wohnung, die mit den übrigen Räumlichkeiten im Obergeschoss abschließt. Straßenseitig zeigt sich die Fassade äußerst verschlossen, so dass das Einfamilienhaus optisch eher an ein Wirtschaftsgebäude erinnert. Einzig fünf kleinere Fenster im ersten Stock schaffen hier Beziehungen zur Außenwelt. Diese Verschlossenheit gewährleistet einen optimalen Schallschutz gegenüber dem Straßen- und Bahnverkehr. Auf der anderen Seite öffnet sich das Gebäude mit großzügiger Verglasung zum Wald hin.

ALLPLAN-Modell als unerlässliche Planungsgrundlage

Für die Planung des Hauses erstellten die Architekt:innen ein 3D-Gebäudemodell mit sehr hohem Detaillierungsgrad in ALLPLAN. Ohne dieses wären Merkmale wie die Holzbauweise in bezugsfertiger Ausführungsqualität ab Fabrik oder das Fehlen übereinanderstehender Wände praktisch nicht umsetzbar gewesen. Simić Schaudt Architekten integrierten alle für die Erdbebensicherheit erforderlichen Bauteile sowie sämtliche Aussparungen und Durchdringungen in das Modell. Auf dieser Grundlage generierte der Holzbauunternehmer das Ausführungsmodell nach seinen Bedürfnissen. Der Betonbau wurde hingegen via IFC-Schnittstelle in das Ausführungsmodell übernommen. Auch die Koordination der Haustechnik erfolgte über das hochdetaillierte Gebäudemodell, das jede einzelne Steckdose beinhaltete.

Die ALLPLAN-Software erwies sich laut Architekt Ivan Simić beim Projekt in Flüelen als ideales Planungswerkzeug: „ALLPLAN ist so aufgebaut, wie wenn wir von Hand zeichnen, und das freie Modellieren ist ein großer Pluspunkt.“ Dank der modellbasierten Planung konnte das Low-Cost-Haus in einer Bauzeit von lediglich sechs Monaten fertiggestellt werden. Die Montage des Holzbaus vor Ort benötigte dabei bloß fünf Arbeitstage.